Erster Mercedes am 22. November 1900: Die Geburt des modernen Automobils vor 125 Jahren
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Am 22. November 1900 entsteht in Cannstatt ein Fahrzeug, das die junge Welt des Automobils auf einen neuen Kurs bringt. Der Mercedes 35 PS gilt als erstes modernes Auto und zugleich als erster Mercedes überhaupt. Heute, 125 Jahre später, zeigt sich seine DNA noch immer im Design der Marke. Selbst der aktuelle Mercedes-Benz GLC trägt die markante Anmutung des historischen Bienenwabenkühlers, den Wilhelm Maybach einst erfand.
Ein Auto, das seiner Zeit Jahre voraus war
Der Mercedes 35 PS ist mehr als ein neues Modell. Er ist ein Neuanfang. Nur 14 Jahre nach der Erfindung des Automobils entwickelt Maybach ein Fahrzeug, das sich endgültig von der Kutschenform löst. Tiefer Schwerpunkt, langer Radstand, breitere Spur und ein Bedienkonzept, das erstmals ergonomische Standards setzt. Die schräge Lenksäule und die Fußkupplung wirken heute selbstverständlich, waren damals aber kleine Revolutionen.
Unter der Haube arbeitet ein Hochleistungsmotor, konstruiert von Josef Brauner. Aus vier Zylindern und 5,9 Litern Hubraum schöpft er 35 PS bei 950 Umdrehungen. Das ist für das Jahr 1900 eine Wucht. Der Bienenwabenkühler erlaubt lange Leistungsabgabe ohne Überhitzen. Damit wird ein technisches Detail zum Symbol, das bis heute den Markenauftritt prägt.

Mercedes-Simplex 40 PS, der Nachfolger des Mercedes 35 PS von 1900. Foto im Hafen von Nizza eines Fahrzeugs aus dem Baujahr 1903 von der Mercedes-Benz Classic Insight „Die Ära Mercédès“ im April 2017. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Classic Archive: D368751)
Der Mann hinter der Idee: Emil Jellinek
Ohne Emil Jellinek gäbe es dieses Fahrzeug in dieser Form nicht. Der wohlhabende Geschäftsmann, Händler und leidenschaftliche Automobilist fordert ein Auto, das stärker, sicherer und zuverlässiger ist als alles, was bislang existiert. Sein Pseudonym aus dem Motorsport, Mercédès, benannt nach seiner Tochter, wird bald zum Markennamen der DMG.
Ein tragisches Ereignis beschleunigt die Entwicklung. Beim Bergrennen Nizza–La Turbie im Jahr 1900 verunglückt der Rennfahrer Wilhelm Bauer tödlich. Jellinek drängt daraufhin auf ein neues Konzept, das Stabilität und Kontrolle in den Vordergrund stellt. Maybach nimmt die Herausforderung an. Das Ergebnis ist der Mercedes 35 PS.
Durchbruch an der Côte d’Azur
Bevor Jellinek sein Fahrzeug erhält, wird es wochenlang eingefahren und verfeinert. Am 22. Dezember 1900 geht der erste Mercedes nach Nizza. Dort zeigt er im Frühjahr 1901, was in ihm steckt. Während der berühmten Woche von Nizza dominiert er die Wettbewerbe. Siege beim 392 Kilometer langen Rennen Nizza–Salon–Nizza und beim Bergrennen nach La Turbie sorgen international für Aufsehen. Das Auto beweist, dass es sowohl sportlich als auch alltagstauglich ist, und schafft damit ein neues Verständnis von Mobilität.
Der Anfang einer großen Marke
1901 folgen mit dem Mercedes 12/16 PS und 8/11 PS zwei Schwestermodelle. Ein Jahr später beginnt die Ära der Mercedes-Simplex Modelle. Sie gelten als besonders leicht zu bedienen und prägen die frühen 1900er Jahre nachhaltig.
Im selben Zeitraum trifft die Daimler-Motoren-Gesellschaft eine Entscheidung, die für die Zukunft entscheidend sein wird. 1900 erwirbt das Unternehmen ein großes Gelände in Untertürkheim. Dort entsteht später das Mercedes-Benz Stammwerk.
Gottlieb Daimler erlebt diese Entwicklungen nicht mehr. Er stirbt am 6. März 1900. Doch der Innovationsgeist, den er in die Welt setzt, trägt weiter. Der Mercedes 35 PS zeigt eindrucksvoll, wie schnell Fortschritt möglich wird, wenn Mut, technische Neugier und klare Ziele zusammenkommen.
125 Jahre später erinnert er uns daran, wie ein einziges Fahrzeug die Richtung einer ganzen Industrie ändern kann.

