Stuttgart 21: Neuer Hauptbahnhof geht 2026 ans Netz – Große Umstellungen, große Chancen
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Die Deutsche Bahn stellt die Weichen für ein neues Kapitel im deutschen Bahnverkehr: Ab Dezember 2026 geht der neue Stuttgarter Hauptbahnhof im Rahmen von Stuttgart 21 teilweise in Betrieb – mit direktem Anschluss an die Fern- und Regionalverbindungen sowie digitaler Infrastruktur. Auch der neue Flughafenbahnhof und das Abstellwerk in Untertürkheim werden ab diesem Zeitpunkt nutzbar sein. Damit erreicht eines der ambitioniertesten Bahnprojekte Europas einen entscheidenden Meilenstein.
Durchgangsbahnhof statt Kopfbahnhof: Effizienzschub für den Südwesten
Der neue Hauptbahnhof ersetzt schrittweise den bisherigen Kopfbahnhof, der Mitte 2027 endgültig vom Netz geht. Bereits ab Ende 2026 fahren alle Fernverkehrszüge – mit Ausnahme der Gäubahn – sowie etwa die Hälfte der Regionalzüge durch den neuen Durchgangsbahnhof. Dieser sorgt nicht nur für schnellere Verbindungen, sondern auch für mehr Kapazitäten und eine leistungsfähigere Infrastruktur. Züge können künftig ohne Richtungswechsel durchfahren – das spart Zeit, reduziert Verspätungen und erhöht die Pünktlichkeit.

Stuttgart 21
Kürzere Fahrzeiten, neue Direktverbindungen
Mit der Inbetriebnahme des neuen Knotens profitieren Reisende von deutlich kürzeren Reisezeiten – sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr. Einige Beispiele:
Fernverkehr (ab Dezember 2026):
- Stuttgart–Ulm (ICE): 28 Minuten statt 43
- Mannheim–Ulm: 1:08 statt 1:27
- Stuttgart–München: 1:40 statt 1:58
- Frankfurt–München: 3:01 statt 3:12
Regionalverkehr (ab Dezember 2026):
- Stuttgart–Ulm (RE): 41 Minuten statt 1:04
- Stuttgart–Flughafen: 6 Minuten statt 27
- Ulm–Flughafen Stuttgart: 28 Minuten statt 58 (mit Bus)
- Heilbronn–Flughafen Stuttgart: 48 Minuten statt 1:25 (neue Direktverbindung)
Diese Verbesserungen sind das Resultat jahrelanger Bauarbeiten und Investitionen – unter anderem in die neue Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm, die bereits seit 2022 in Betrieb ist.
Digital und vernetzt: Der Bahnknoten der Zukunft
Auch auf technischer Ebene wird Stuttgart 21 ein Modernisierungs-Turbo: Digitale Leit- und Sicherungstechnik ersetzt schrittweise analoge Systeme. Im Bereich Untertürkheim, Bad Cannstatt, Münster und dem Hafen wird die neue Technik Ende 2026 vollständig einsatzbereit sein.
Zusätzlich sorgt die „Große und Kleine Wendlinger Kurve“ für eine effektive Einbindung von Tübingen und Reutlingen. Der neue Flughafenbahnhof verbindet die Schwäbische Alb und das Neckartal besser mit dem Luftverkehrsknoten in Leinfelden-Echterdingen.
Sanfte Umstellung statt harter Schnitt: Neues Inbetriebnahmekonzept
Ursprünglich hätte die vollständige Umstellung auf den neuen Bahnknoten massive, teils überlappende Streckensperrungen im Jahr 2026 erfordert. In der Lenkungskreissitzung im Mai 2025 einigten sich die Projektpartner daher auf ein überarbeitetes Inbetriebnahmekonzept, das die Belastungen für Fahrgäste deutlich reduziert.
So bleibt der alte Kopfbahnhof bis Sommer 2027 in Betrieb, ebenso die Panoramabahn für die Gäubahn bis März 2027. Die neue S-Bahn-Stammstrecke inklusive der Station Mittnachtstraße geht voraussichtlich im Juli 2027 ans Netz. Erst danach wird der Kopfbahnhof endgültig stillgelegt.
Baustellen 2026/2027: Sperrungen bleiben – Ersatzverkehr auch
Trotz aller Optimierungen lassen sich größere Sperrungen in den Jahren 2026 und 2027 nicht vermeiden. So wird etwa:
- Sommer 2026: die S-Bahn-Stammstrecke gesperrt, Einschränkungen vor allem zwischen Untertürkheim und Bad Cannstatt.
- Frühjahr 2027: zwölfwöchige Stammstreckensperrung zwischen Vaihingen und Hauptbahnhof – mit Ersatzverkehren in den Oster- und Pfingstferien
- Juli 2027: Eröffnung der verlängerten Stammstrecke inkl. Station Mittnachtstraße.
- 2027: Gleisarbeiten in Bad Cannstatt – zunächst S-Bahn-Gleise 1–4, dann Regionalgleise 5–8.
In dieser Phase werden Fern- und Teile des Regionalverkehrs bereits über den neuen Bahnhof geführt, um Ausweichkapazitäten zu schaffen. Ergänzt wird das Angebot durch Schienenersatzverkehre mit Bussen und Stadtbahnen der SSB.

Quelle: DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH
Gemeinsame Taskforce soll Chaos vermeiden
Eine eigens eingerichtete Taskforce aus Bahn, Stadt, Land und Verkehrsverbänden koordiniert die Umstellungen. Unterstützt vom Verkehrswissenschaftlichen Institut Stuttgart (VWI) entwickelt sie Fahrplankonzepte und Ersatzangebote. Erste Studien bestätigen: Die Konzepte sind machbar.
DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber äußerte sich zuversichtlich:
„Stuttgart 21 ist vom Start weg ein Gewinn für viele Reisende – in der Region, in Baden-Württemberg und darüber hinaus. Die Herausforderungen sind groß, aber gemeinsam mit unseren Partnern können wir sie meistern.“
Fazit: Eine Jahrhundertbaustelle geht in die Zielgerade
Mit dem neuen Hauptbahnhof und der digitalisierten Infrastruktur nimmt Stuttgart 21 Gestalt an. Noch sind Geduld und Flexibilität gefragt – doch ab Ende 2026 beginnt für den Bahnverkehr in Süddeutschland eine neue Ära. Kürzere Fahrzeiten, bessere Verbindungen, moderne Technik: Was lange als Streitfall galt, wird nun zur Schaltzentrale der Mobilitätswende.

