The White Buffalo im Wizemann: Südstaaten-Sound, große Geschichten und ein Hauch Hollywood
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Im vollen Club des Im Wizemann wurde heute Abend die Bühne zur staubigen Prärie, zum verrauchten Roadhouse und manchmal auch direkt zum Schauplatz eines Westernfilms. The White Buffalo, bürgerlich Jake Smith, brachte seinen rauen, emotionalen Country-Folk nach Stuttgart und begeisterte das Publikum mit einem intensiven Konzert, das ganz ohne großes Bühnen-Spektakel auskam. Stattdessen standen die Songs, Geschichten und die markante Stimme des US-Musikers im Mittelpunkt.
Den Abend eröffnete der deutsch-britische Newcomer Paul Holland. Mit Auszügen aus seinem Debütalbum Sunflower stimmte er das bereits gut gefüllte Publikum auf den Abend ein. Sein warmer Westcoast-Sound bildete einen angenehmen Kontrast zu dem deutlich raueren Südstaaten-Klang, den Jake Smith später anschlagen sollte. Holland überzeugte dabei als sympathischer Support und machte neugierig auf seine weitere musikalische Entwicklung. Als The White Buffalo anschließend die Bühne betrat, war schnell klar, dass dieser Abend kein gewöhnliches Countrykonzert werden würde. Passend zur Musik waren nicht wenige Besucher mit Cowboy-Hüten und Cowboy-Stiefeln erschienen. Jake Smith und seine Band lieferten dazu den Soundtrack: irgendwo zwischen Country, Folk, Blues und Rock, getragen von einer Stimme, die gleichzeitig verletzlich, dunkel und kraftvoll klingt.
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The White Buffalo im Wizemann: Südstaaten-Sound, große Geschichten und ein Hauch Hollywood
Mit „Story“ und „One Lone Night“ nahm Smith das Publikum zunächst mit auf eine Reise durch seine musikalische Welt. „Kingdom for a Fool“, „Today’s Tomorrow“ und „Set My Body Free“ zeigten anschließend eindrucksvoll, warum The White Buffalo als großer Geschichtenerzähler gilt. Seine Songs handeln von Einsamkeit, Freiheit, Schuld, Liebe und den Schattenseiten des Lebens. Dabei wirken sie oft wie kleine Filme, die sich im Kopf des Zuhörers entfalten. Ein besonderer Moment war „Joe & Jolene“, das mit seiner erzählerischen Qualität beinahe wie eine kurze Filmszene daherkam. Überhaupt passt die Musik von The White Buffalo perfekt ins Kino. Smith hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Songs für Film und Fernsehen beigesteuert. Besonders bekannt wurde er durch seine Beiträge zur Kultserie „Sons of Anarchy“, deren düstere Welt wie geschaffen für seinen Sound erscheint.
Das wurde an diesem Abend spätestens bei „Come Join the Murder“ deutlich. Der gemeinsam mit den Forest Rangers aufgenommene Song, der das Finale von Sons of Anarchy musikalisch begleitet, gehört zu den bekanntesten Stücken seines Schaffens. Die emotionale Wucht des Liedes entfaltete auch im Wizemann ihre Wirkung. Nicht umsonst wurde der Song für einen Emmy nominiert. Wer die Serie kennt, dürfte bei den ersten Tönen unweigerlich wieder Bilder des Serienfinales vor Augen gehabt haben. Doch The White Buffalo ist längst mehr als der Musiker hinter dem Sons of Anarchy-Soundtrack. Seine Songs waren auch in Produktionen wie „This Is Us“, „Californication“, „The Punisher“ und „The Terminal List“ zu hören. Sein musikalischer Stil besitzt jene cineastische Qualität, die ihn auch für düstere Westernwelten prädestiniert. Gerade Stücke wie „The Whistler“, „The Matador“ oder „Where Is Your Savior“ hätten ebenso gut in einen modernen Western oder einen staubigen Quentin-Tarantino-Film gepasst.

The White Buffalo im Wizemann: Südstaaten-Sound, große Geschichten und ein Hauch Hollywood
Mit „The Whistler“ erreichte das Konzert einen weiteren Höhepunkt. Der Song, der ebenfalls eng mit der Sons of Anarchy-Welt verbunden ist, zeigte exemplarisch die besondere Stärke Smiths: wenige Instrumente, eine markante Stimme und eine Geschichte, die sich langsam und unaufhaltsam entfaltet. Dazu kamen Songs wie „Stunt Driver“, „I Got You“ und „Pilot“, die den musikalischen Bogen über seine Karriere spannten. Auffällig war dabei vor allem die Unmittelbarkeit des Auftritts. The White Buffalo setzt live auf eine reduzierte Besetzung und verzichtet auf Backing-Tracks und Auto-Tune. Bass, Schlagzeug und Smiths Stimme reichen aus, um einen erstaunlich großen Klang entstehen zu lassen. Das Ergebnis ist roh, direkt und manchmal geradezu körperlich spürbar.
Mit „Oh Darlin, What Have I Done“ und „Come Join the Murder“ wurde es noch einmal besonders emotional, bevor „Pilot“ den Abend beschloss. Nach knapp zwei Stunden blieb der Eindruck eines Konzerts, das weniger auf Effekte als auf Atmosphäre und Geschichten setzte. The White Buffalo bewies im Wizemann eindrucksvoll, weshalb Jake Smith seit zwei Jahrzehnten zu den angesehenen Countryfolk-Songwritern gehört. Seine Musik erzählt Geschichten, die auch ohne Bilder funktionieren – und dennoch sofort Bilder erzeugen. Zwischen Cowboy-Hüten, staubigem Südstaaten-Sound und der Erinnerung an große TV-Momente wurde Stuttgart für einen Abend zum Schauplatz eines ganz eigenen musikalischen Westerns.
Ein Abend für Fans von Country, Folk, Blues und Rock – und für alle, die Musik lieben, die klingt, als hätte sie bereits einen Film erlebt.
MK Schechler
Lokaler Veranstalter:
Music Circus Concertbüro – Charlottenplatz 17 – 70173 Stuttgart – www.musiccircus.de

