48 Stunden in Montbéliard: Eine Entdeckungsreise zwischen Geschichte, Genuss und französischem Savoir-vivre

#Montbeliard #Peugeot #Ludwigsburg

Nur wenige Kilometer hinter der deutsch-französischen Grenze verändert sich die Landschaft. Aus der vertrauten Umgebung wird das Pays de Montbéliard, sanft hügelig, grün und durchzogen vom Doubs und seinen Zuflüssen. Wir sind im Département Doubs angekommen, das während der Französischen Revolution im Jahr 1790 entstand und heute zur Region Bourgogne-Franche-Comté gehört. Seinen Namen verdankt es dem namengebenden Fluss, der sich durch das Département zieht. Vom Juragebirge bis zur Schweizer Grenze reicht das Gebiet und verbindet Natur, Geschichte und französische Lebensart auf erstaunlich engem Raum.

Für uns aus Ludwigsburg beginnt die Reise allerdings nicht irgendwo in Frankreich. Sie führt in eine Stadt, die uns auf besondere Weise vertraut und zugleich fremd ist. Montbéliard, das frühere Mömpelgard, war von 1397 bis zur Französischen Revolution Teil des Hauses Württemberg. Die Verbindung zu Ludwigsburg ist deshalb weit mehr als eine moderne Städtepartnerschaft, sie war auch die erste deutsch-französische. Sie reicht tief in die gemeinsame Geschichte hinein und ist in Montbéliard bis heute sichtbar.

Gemeinsam mit unserem Dänisch-Schwedischen Gardhund Mads machen wir uns auf, dieser Verbindung nachzuspüren. Zwei Tage sind dafür nicht viel. Aber sie reichen aus, um festzustellen, dass Montbéliard ein erstaunlich guter Ausgangspunkt ist: für Geschichte und Kultur, für französische Küche und für Ausflüge in eine Landschaft, die man viel zu leicht nur auf der Durchreise links liegen lassen könnte.

ERSTE BEGEGNUNG MIT EINER STADT VOLLER GESCHICHTE
Montbéliard empfängt uns mit jener angenehmen Mischung aus Kleinstadt und historischer Bühne, die man sich für einen Kurztrip wünscht. Unser Hotel La Balance ist nicht nur hundefreundlich sondern liegt auch zentral, sodass das Auto erst einmal stehen bleiben kann. Die Altstadt beginnt praktisch vor der Haustür.

Wir folgen Anaïs vom Tourismusbüro durch die Gassen. Sie kennt nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, sondern auch die Geschichten dahinter. Und davon gibt es reichlich. Zwischen farbigen Fassaden, Fachwerkhäusern und kleinen Plätzen taucht immer wieder die Vergangenheit Mömpelgards auf. Französisch ist die Gegenwartssprache, doch die württembergische Geschichte ist allgegenwärtig.

Besonders auffällig sind die Spuren von Heinrich Schickhardt. Der Baumeister, der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch in Württemberg zahlreiche Bauwerke prägte, wirkte in Montbéliard ebenso. Nicht umsonst trägt er den Beinamen „Leonardo da Vinci Schwabens“. Wer mit diesem Wissen durch die Stadt geht, sieht plötzlich mehr als hübsche Häuser aus der Renaissance: Architektur wird zum Bindeglied zwischen zwei Regionen.

Mads hat derweil seine ganz eigene Sicht auf die Stadt. Er trottet entspannt neben uns her, bleibt hier und da stehen und scheint die vielen Gerüche der Altstadt mindestens ebenso interessant zu finden wie wir die Geschichte. Dass Hunde bei der Stadtführung willkommen sind, erweist sich als ausgesprochen angenehm. Überhaupt werden wir in den kommenden zwei Tagen feststellen, dass Montbéliard erstaunlich hundefreundlich ist.

Große Foto-Galerie mit Info-Box bei uns. Hier klicken!

Beim Stadtrundgang

Am Abend sitzen wir auf dem Place du Général de Gaulle im Restaurant La Tentation. Die Stadt wirkt nun ganz anders als während der Führung. Das Licht wird weicher, die Menschen nehmen sich Zeit für ihr Abendessen, Gespräche ziehen sich über die Tische. Dazu regionale Küche und ein Glas französischen Wein. Es ist einer dieser Momente, in denen man merkt, dass eine Reise nicht unbedingt viele Kilometer braucht, um sich nach Urlaub anzufühlen.

KUNST, SCHLOSS UND EIN BLICK IN DIE GEGENWART
Am nächsten Morgen führt uns der Weg zunächst in die Gegenwart. Im Kunstzentrum Le 19, CRAC treffen wir auf zeitgenössische Kunst und damit auf einen überraschenden Kontrast zur historischen Altstadt. Das Zentrum versteht sich nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als Ort der Begegnung, Produktion und Vermittlung.

Wir schnuppern in die Ausstellung „L’Harmonie du Personnel“ von Annika Kahrs hinein. Mads darf auch hier dabei sein und nimmt die ungewohnte Umgebung gelassen hin. Vielleicht ist es genau diese Mischung, die Montbéliard interessant macht: Man muss nicht zwischen Geschichte und Gegenwart wählen. Beides liegt nur wenige Schritte voneinander entfernt.

Château de Montbéliard und unser Bus zum Peugeot Museum


Von der Kunst ist es nicht weit zum Schloss. Hoch über der Stadt thront das Château de Montbéliard, das wohl deutlichste Zeichen der einstigen württembergischen Herrschaft. Heute erzählt es die Geschichte der Stadt auf moderne Weise. Die historische Ausstellung wurde neu gestaltet: Rund 300 restaurierte Werke und intelligente Multimedia-Displays führen durch die wechselvolle Vergangenheit.

Für Mads heißt es allerdings draußen warten. Hunde dürfen nicht ins Schloss, und so teilen wir uns auf. Während einer von uns die historischen Räume erkundet, bleibt der andere mit Mads in den Anlagen und den Gassen rund um den Schlossberg.

Drinnen wartet eine Zeitreise durch die Jahrhunderte. Draußen ist das Panorama mindestens genauso beeindruckend. Und dann erfahre ich, dass sich hoher Besuch angekündigt hat: Herzog Philipp von Württemberg wird erwartet. Als seine Königliche Hoheit schließlich eintrifft, sind wir allerdings bereits seit einer guten Stunde wieder auf anderen Spuren unterwegs.

Zum Mittag zieht es uns nur wenige Schritte weiter, hinunter an den hinteren Schlossberg. In der La Pause Gourmande sitzen wir entspannt zusammen, bevor es weitergeht. Denn Montbéliard ist zwar das Zentrum unserer Reise, aber längst nicht ihr einziges Ziel.

VON PEUGEOT UND PIONIERGEIST
Nur wenige Kilometer entfernt liegt Sochaux. Hier verändert sich die Atmosphäre erneut. Statt Schloss und Fachwerkhäusern prägt nun die industrielle Geschichte die Region.

Das Musée de l’Aventure Peugeot ist eine Reise durch mehr als zwei Jahrhunderte Erfindergeist. Und die beginnt erstaunlicherweise nicht mit einem Auto. Werkzeuge, Kaffeemühlen, Nähmaschinen und Zweiräder erzählen davon, dass Peugeot lange vor dem Automobilbau ganz andere Dinge produzierte. Erst nach und nach kommen die Fahrzeuge hinzu. Insgesamt 130 Automobile machen die Entwicklung des Unternehmens sichtbar, von den frühen Konstruktionen bis zu den bekannten Modellen der jüngeren Vergangenheit.

Auch Mads darf mit hinein, gut gesichert in seinem Hunderucksack. Für einen Hund, der sonst eher an Spaziergänge und Waldwege gewöhnt ist, ist das Museum vermutlich ebenso ungewöhnlich wie für uns die Erkenntnis, wie breit die Geschichte der Marke tatsächlich ist.

Im Anschluss erwartet uns draußen ein ganz besonderes Stück Automobilgeschichte auf uns: einen Peugeot 203 aus dem Jahr 1959. Statt durch Museumshallen geht es nun mitten hinein ins Pays de Montbéliard.

Der Oldtimer tuckert gemütlich über die Straßen, und unser Fahrer Christian, der uns auch als Guide durch das Museum führte, erzählt Geschichten über Dörfer, Menschen und die Entwicklung der Region. Das Tempo ist angenehm langsam. Kein Navigationsgerät drängt zum nächsten Ziel, kein Fahrplan bestimmt die Route. Stattdessen ziehen kleine Ortschaften, Felder und sanfte Hügel am Fenster vorbei.

Am Fort Mont-Bart machen wir Halt. Von hier oben öffnet sich der Blick über das Doubs-Tal und die Landschaft, die wir bisher meist aus der Nähe gesehen haben. Jetzt wird deutlich, wie eng Stadt und Umland miteinander verbunden sind.

Es ist vielleicht der entspannteste Teil unserer Reise. Der historische Peugeot, die Landschaft, die Geschichten des Fahrers und Mads, der sich inzwischen tiefenentspannt in seine Decke gekuschelt hat: So fühlt sich Entschleunigung an.

Am Yachthafen mit Peugeot 203

WO DIE MONTBÉLIARDE ZU HAUSE IST
Am nächsten Morgen verlassen wir Montbéliard erneut, diesmal geht es mitten hinein in die Landwirtschaft der Region. Auf dem familiengeführten Bauernhof GAEC du Soleil Levant treffen wir Betriebsleiter Nicolas. Mehrere Generationen arbeiten hier gemeinsam, und Nicolas kennt seine Tiere und die Besonderheiten der Region genau.

Im Mittelpunkt steht die Montbéliarde. Die markante Rinderrasse mit ihrem rot-weißen Fell stammt aus dem Pays de Montbéliard und ist eng mit der regionalen Landwirtschaft verbunden. Nicolas zeigt uns seinen Betrieb, den Melkstand und den Laufstall und erzählt von der täglichen Arbeit auf einem modernen Milchviehbetrieb.

Mads sorgt unterdessen für einige neugierige Blicke unter den Kühen. Vielleicht liegt es an seiner eigenen Fellzeichnung, die zumindest entfernt an die der Kühe erinnert. Die Begegnung zwischen Hund und Herde bleibt jedenfalls ausgesprochen friedlich.

Von der Landwirtschaft führt unsere Reise anschließend noch weiter zurück in die Geschichte.

EIN THEATER FÜR 20.000 MENSCHEN
In Mandeure wartet eine der beeindruckendsten Überraschungen unseres Kurztrips. Zwischen Grün und modernen Straßen liegen die Überreste eines gallorömischen Theaters. Mit einem Durchmesser von 142 Metern gehört die Anlage zu den größten antiken Theatern ihrer Art. Bis zu 20.000 Menschen sollen hier Platz gefunden haben.

Man muss sich diese Zahl erst einmal vorstellen. 20.000 Zuschauer an einem Ort, der heute auf den ersten Blick so still und verlassen wirkt.

Das Theater entstand ungefähr zur selben Zeit wie das Kolosseum in Rom und hieß damals Epomanduodurum. Wo heute Mads neugierig zwischen den alten Mauern herumschnüffelt, drängten sich einst Menschen aller Schichten zu Veranstaltungen, die Unterhaltung, Politik und gesellschaftliches Leben miteinander verbanden.

Gerade solche Orte machen den Reiz des Pays de Montbéliard aus. Man fährt keine langen Strecken, und doch reist man innerhalb weniger Stunden durch Jahrtausende: von der römischen Antike über die württembergischen Herzöge bis zur Industrialisierung und zur modernen Kunst.

Zum Mittag machen wir noch einmal Station in Audincourt. In der Brasserie du 7e Art lassen wir die Reise bei französischer Küche ausklingen. Der Maître Restaurateur, Julien, kam zu uns an den Tisch und erwähnte im Gespräch, dass wir Montbéliard nicht verlassen dürfen ohne die berühmte Montbéliard-Wurst zu testen, die seit dem 14.Jahrhundert in der Region hergestellt wird und ließ aus der Küche eine Kostprobe bringen. Mads hat inzwischen eine bemerkenswerte Routine entwickelt: Er sucht sich einen Platz, legt sich hin und wartet geduldig, bis wir mit dem Essen fertig sind.

UNSER FAZIT
48 Stunden sind schnell vorbei. Was bleibt, ist weniger eine Liste besuchter Sehenswürdigkeiten als das Gefühl, eine Region kennengelernt zu haben, die einen weiteren Besuch verdient.

Montbéliard überrascht gerade deshalb, weil die Stadt nicht versucht, größer zu wirken, als sie ist. Sie setzt auf ihre Geschichte, ihre Architektur und ihre Umgebung. Das Schloss erzählt von Württemberg, Heinrich Schickhardt verbindet die Architektur beiderseits des Rheins, Peugeot steht für den industriellen Aufbruch und die Montbéliarde für die bäuerliche Tradition des Pays de Montbéliard. Dazwischen liegen Cafés, Restaurants, kleine Plätze und eine Landschaft, die zum Weiterfahren einlädt.

Für Besucher aus Ludwigsburg kommt eine weitere Ebene hinzu. Wer durch Montbéliard geht, begegnet der eigenen Stadtgeschichte aus einer anderen Perspektive. Das macht den Besuch besonders reizvoll.

Und dann ist da noch Mads. Unser Dänisch-Schwedischer Gardhund hat die 48 Stunden erstaunlich gelassen begleitet und gezeigt, dass sich die Region auch mit Hund gut entdecken lässt. Stadtführung, Kunst, Bauernhof und antike Stätten: An den meisten Orten war er herzlich willkommen. Und wenn er einmal nicht mit hinein durfte, ließ sich auch dafür eine unkomplizierte Lösung finden.

Montbéliard ist damit ein Reiseziel für alle, die auf kleinem Raum viel erleben möchten, ohne ständig das Gefühl zu haben, auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt zu sein. Zwei Tage reichen für einen ersten Eindruck. Wahrscheinlich reichen sie aber nicht aus, um die Region wirklich satt zu bekommen.

Wir fahren jedenfalls mit dem Gefühl nach Hause, dass 48 Stunden hier eher ein Anfang als ein Ende sind.
MK Schechler

Schnappschüsse auf dem Bauernhof

Promotion