Wiedereröffnung der Kunsthalle Würth
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Die Kunsthalle Würth lädt mit der monografischen Ausstellung „Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist“ zur Wiedereröffnung nach Schwäbisch Hall ein. 600 Quadratmeter zusätzliche Fläche ermöglichen einen Rundgang. Gleichzeitig eröffnet der Anselm Kiefer Pavillon in Künzelsau mit dem größten Werk des Künstlers in der Sammlung Würth.
Nach dreijähriger Bauzeit und Sanierung öffnet die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall wieder ihre Türen. Die feierliche Einweihung im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Cem Özdemir, findet am morgigen Dienstag, 13. Oktober 2026 für geladene Gäste statt. Zum 25-jährigen Bestehen des Hauses präsentiert sie ab 16. Oktober 2026 die große monografische Ausstellung „Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist“. Mehr als 70 Arbeiten des Künstlers aus der Sammlung Würth treten mit 21 Leihgaben Anselm Kiefers in Dialog. Am 13. Oktober 2026 öffnet am Museum Würth 2 in Künzelsau der Anselm Kiefer Pavillon für das Publikum.
Die Ausstellung „Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist“
Der Unternehmer und Sammler Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, erwarb 1996 mit der Arbeit „Der Engel“ (1976-1978) das erste Werk Anselm Kiefers für seine Sammlung. Über die Jahrzehnte entstand eine enge Verbindung zwischen Sammler und Künstler, dessen Kunst Geschichte, Mythos, Religion, Literatur und Philosophie auf spannungsvolle und faszinierende Weise verbindet. Heute gehört Kiefer, 1945 in Donaueschingen geboren, mit seinen überwiegend großformatigen Arbeiten aus allen Werkphasen zu den prägenden Positionen der Sammlung Würth.
Die Ausstellung „Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist“ versteht sich dennoch nicht als Retrospektive, sondern konzentriert sich auf zentrale, wiederkehrende Themen in Kiefers Schaffen und seine materielle Vielfalt. Sie reicht von den frühen Arbeiten der 1960er- und 1970er-Jahre, darunter „Besetzungen“ und „Heroische Sinnbilder“, über naturphilosophische Entwürfe von Mikro- und Makrokosmos bis hin zu Bildwelten aus Kabbala, Romantik, Literatur und politischer Ideologiekritik. Ebenfalls zu sehen: Kiefers Installationen aus Stahlregalen oder gestapelten bleiernen Büchern wie „Laokoon“ aus dem Jahr 2008. In besonderer Dichte bündeln sie die Verbindung von Wissen, Erinnerung und Geschichte sowie das Wechselspiel von geistiger Reflexion und materieller Transformation. Das großformatige Gemälde „Anselm fuit hic“ (2017–2024) gehört zu den jüngsten Erwerbungen der Sammlung Würth. Als Hommage an den Rhein und den Schwarzwald, die Landschaften seiner Kindheit, verbindet es persönliche Erinnerung mit eindrucksvoller Landschaftsdarstellung.
Ergänzt werden die Arbeiten der Sammlung Würth durch Leihgaben des Künstlers, darunter Papierarbeiten und Fotografien. Die von Anselm Kiefer zusammengestellte Auswahl an Fotografien verweist auf ein für seinen künstlerischen Prozess wesentliches Medium, das er als seine „heilige Assistentin“ bezeichnet.

Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall mit Alex Katz, One Flight up, 2026, Sammlung Würth, Inv. 21001, Foto: Stefan Müller-Naumann
Mehr Raum für Kunst: die Erweiterung der Kunsthalle Würth
Durch den von Henning Larsen Architects entworfenen Erweiterungsbau gewinnt die Kunsthalle Würth weitere 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf insgesamt 3.200 Quadratmeter, sowie erstmals die Möglichkeit eines zusammenhängenden Rundgangs. Zudem entstehen neue Räume für Kunstvermittlung, Medien und Verwaltung und eine Tagesbar.
Die 2001 auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei in der Katharinenvorstadt errichtete Kunsthalle Würth verband Henning Larsens zeitgenössische Architektur sensibel mit der historischen Umgebung. An diese Symbiose von Alt und Neu knüpft auch die Erweiterung an. Ihre gegliederte Dachlandschaft orientiert sich an den spätmittelalterlichen Gebäuden der Umgebung und interpretiert deren Formen zeitgenössisch. So entsteht ein Ensemble aus dem Bestandsbau der Kunsthalle Würth, dem Erweiterungsbau und den prägenden Bauten der Altstadt. Auch die Gebäudehülle greift diese Verbindung auf: Wie der Alt-Bestand ist der Erweiterungsbau mit Muschelkalk aus Crailsheim verkleidet – einem regionalen Material, das auch das Stadtbild der Altstadt prägt.
Die Besucherinnen und Besucher beginnen ihren Besuch im neuen, lichtdurchfluteten Willkommensbereich mit Empfang und Museumsshop. Daran schließt die Tagesbar im Bestandsbau an. Der Ausstellungsrundgang erschließt sich von dort in den Untergeschossen und verbindet durch neue, unterirdische Ausstellungsräume den Bestands- mit dem Neubau. Im Erdgeschoss finden sich zudem die neuen Räumlichkeiten für die Kunstvermittlung. Der Adolf Würth Saal wird weiterhin für Veranstaltungen genutzt. Mit dem neuen Ensemble ergibt sich ein vergrößerter Museumsvorplatz, der einen neuen öffentlichen Raum schafft.
Ein Pavillon für ein Werk: „Schwarze Flocken“ in Künzelsau
Der Anselm Kiefer Pavillon in Künzelsau ist der Begegnung mit einem einzigen Werk gewidmet. Der von Sir David Chipperfield entworfene Bau zeigt erstmals und dauerhaft Anselm Kiefers monumentales Werk „Schwarze Flocken“ aus dem Jahr 2007. Mit rund elf Metern Höhe und sieben Metern Breite ist es das größte Werk des Künstlers in der Sammlung Würth. Chipperfield entwarf bereits das 2017 eröffnete Carmen Würth Forum und das 2020 eröffnete Museum Würth 2.
Der 140 Quadratmeter große Pavillon liegt auf einer leichten Anhöhe am südwestlichen Rand des Areals rund um das Carmen Würth Forum und das Museum Würth 2 in Künzelsau und ist Teil des Würth Skulpturengartens. Der strenge Baukörper folgt dem von Kiefer vorgegebenen Innenraumvolumen unmittelbar. Auch Proportionen, Öffnung und Farbigkeit der Wände beruhen auf den Vorgaben des Künstlers. Ein reduzierter Portikus markiert die Schwelle zwischen Landschaft und Kunstraum. Innen bleiben die massiven Holzbalken des Dachstuhls sichtbar. Zwischen ihnen fällt durch Tageslichtkuppeln gedämpftes, und je nach Tages- oder Jahreszeit variierendes Licht ein. Lehmputz bestimmt den elementaren Charakter des Raumes. Die Architektur wird so zum Resonanzkörper von Kunst, die herkömmliche Dimensionen sprengt.
Das Werk ist dem Gedicht „Schwarze Flocken“ von Paul Celan gewidmet, einem der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter des 20. Jahrhunderts. Celans Lyrik zählt zu den wiederkehrenden literarischen Bezugspunkten in Kiefers Werk.
Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist.
Sammlung Würth und Leihgaben
Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall
16. Oktober 2026 bis 03. Oktober 2027
Täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei
Anselm Kiefer Pavillon
Museum Würth 2, Künzelsau
Ab 13. Oktober 2026
Täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei
Museum Würth 2
Am Carmen-Würth-Platz 1
74653 Künzelsau

