{"id":119007,"date":"2025-07-11T15:18:51","date_gmt":"2025-07-11T13:18:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.n-news.de\/?p=119007"},"modified":"2025-07-09T09:31:15","modified_gmt":"2025-07-09T07:31:15","slug":"es-lebe-die-tradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.n-news.de\/?p=119007","title":{"rendered":"Es lebe die Tradition"},"content":{"rendered":"<p>#schwarzwald #tradition<\/p>\n<p><strong>Lange wurde Holz auf Fl\u00fcssen transportiert. Dann kam die Eisenbahn. Wie sch\u00f6n, dass das Handwerk der Fl\u00f6\u00dferei heute wieder lebendig ist und wertgesch\u00e4tzt wird. Beim Fl\u00f6\u00dferfest in Schiltach etwa.<\/strong><\/p>\n<p>Krachend und knackend dreht sich der Stock unter den behandschuhten H\u00e4nden des Fl\u00f6\u00dfers. Was vor wenigen Sekunden noch der feste Ast eines Haselnussstrauchs war, wird unter den staunenden Augen der kleinen Zuschauergruppe erst geschmeidig und dann zu einem h\u00fcbschen, etwas ausgebeulten Kranz gedreht und verknotet. \u201eFertig\u201c, sagt Andreas, f\u00e4hrt sich mit dem wei\u00dfen Hemds\u00e4rmel \u00fcber die verschwitzte Stirn und h\u00e4lt mit der anderen Hand stolz den Haselnusskranz in die H\u00f6he. \u201eWenn man die Wiede jetzt noch f\u00fcr zwei bis drei Tage ins Wasser legt, wird sie geschmeidig wie ein Seil.\u201c L\u00e4chelnd dr\u00fcckt er das kleine Holzkunstwerk einer jungen Frau in die Hand, die das Schauspiel interessiert beobachtet hat. Die M\u00e4nner haben heute auf dem Fl\u00f6\u00dferfest in Schiltach schon genug Kr\u00e4nze f\u00fcr den Eigenbedarf gedreht \u2013 ab jetzt wird verschenkt.  <\/p>\n<p><strong>Ein uraltes Handwerk<\/strong><br \/>\nSchiltach und die Fl\u00f6\u00dferei sind eng mitei\u00adnander verwoben. Die lang gezogene Stadt im Schwarzwald, die an der engsten Stelle des Kinzigtals steht, war lange Zeit eine Art Umschlagplatz der Holzwirtschaft. Dort, an der gro\u00dfen Lehwiese, wo die Schiltach in die Kinzig m\u00fcndet, war fr\u00fcher einer von vielen Arbeitspl\u00e4tzen der Fl\u00f6\u00dfer. Als Tagel\u00f6hner bereiteten sie dort die Baumst\u00e4mme vor, bohrten L\u00f6cher und banden die St\u00e4mme mit den Wieden l\u00e4ngs zu sogenannten Gest\u00f6ren aneinander. Mehrere Gest\u00f6re wurden dann zu Gest\u00f6rfl\u00f6\u00dfen zusammengef\u00fcgt. Diese waren gleichzeitig Transportmittel und Ware und wurden von den Fl\u00f6\u00dfern \u00fcber teilweise halsbrecherische Flussabschnitte in das 70 Kilometer entfernte Kehl transportiert, wo die Kinzig in den Rhein m\u00fcndet.<\/p>\n<div id=\"attachment_119008\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-119008\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.n-news.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Schwarzwaldtracht_600b.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"415\" class=\"size-full wp-image-119008\" srcset=\"https:\/\/www.n-news.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Schwarzwaldtracht_600b.jpg 600w, https:\/\/www.n-news.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Schwarzwaldtracht_600b-300x208.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p id=\"caption-attachment-119008\" class=\"wp-caption-text\">In Tracht und mit Sch\u00e4ppel geht es beim traditionellen Festzug zur Festwiese<\/p><\/div>\n<p><strong>Tradition zum Anfassen<\/strong><br \/>\nDie Stimmung auf dem Fl\u00f6\u00dferfest ist ausgelassen. Viele G\u00e4ste haben auf den langen Sitzgarnituren Platz genommen, schunkeln zur Musik oder unterhalten sich. Andere spazieren \u00fcber das Gel\u00e4nde und besuchen die Fl\u00f6\u00dfer an ihren Stationen, an denen sie die traditionelle Holzarbeit vorf\u00fchren. Ein langes Gest\u00f6rflo\u00df liegt schon in der Kinzig und bewegt sich sanft im Wasser. Obwohl es schon ziemlich fahrt\u00fcchtig aussieht, wird das Flo\u00df heute auf dem Fest erweitert. Ein Vereinsmitglied steht auf einem Gest\u00f6r gegen\u00fcber der Bohr-Station und wartet, auf den Fl\u00f6\u00dferhaken gest\u00fctzt, auf seinen Einsatz. Am Ufer bearbeiten f\u00fcnf Fl\u00f6\u00dfer abwechselnd mit Axt und Wiedbohrer, einem Werkzeug, das aussieht wie ein \u00fcbergro\u00dfer Korkenzieher, die Baumst\u00e4mme. Sie bohren L\u00f6cher in den Zopf und Schnetz der St\u00e4mme, das d\u00fcnne und das dicke Ende. Danach sto\u00dfen sie den Stamm in den Fluss, wo er mit dem Fl\u00f6\u00dferhaken an das Gest\u00f6r herangezogen und mit den Wieden festgemacht wird.<\/p>\n<p>Die Arbeit der Fl\u00f6\u00dfer war vielseitig und bestand nicht nur aus dem Flo\u00dfbau und dem Abfahren. Trotzdem drehte sich f\u00fcr die meisten von ihnen das ganze Jahr um den wertvollen Baustoff Holz. Im Winter waren viele Fl\u00f6\u00dfer in den Bergen unterwegs, f\u00e4llten das bestellte Holz, befreiten es von \u00c4sten und Rinde und transportierten es \u00fcber sogenannte Riesen, eine Art Rodelbahn, in die Flusst\u00e4ler, wie das der Kinzig. Im Fr\u00fchjahr, wenn das Wasser der Fl\u00fcsse hoch war, wurden kleinere St\u00e4mme und H\u00f6lzer Richtung Rhein getriftet, also auf dem Wasser treiben gelassen. Das war die einfachste Transportart. Die Fahrt musste aber dennoch begleitet werden, um verkantete H\u00f6lzer wieder zu l\u00f6sen. In guten Jahren wurden bis zu 30.000 Kubikmeter Holz zum Rhein getriftet. Das ist eine Holzmasse von 30 Kilometern L\u00e4nge, einem Meter H\u00f6he und Breite. Die gro\u00dfen St\u00e4mme brachte man von April bis November in Form von Gest\u00f6rfl\u00f6\u00dfen in das untere Kinzigtal. Das Holz wurde dort zu riesigen Rheinfl\u00f6\u00dfen zusammengebunden und weitertransportiert. F\u00fcr die Fl\u00f6\u00dfer ging es anschlie\u00dfend zu Fu\u00df zur\u00fcck nach Schiltach. Im darauffolgenden Winter begann der Kreislauf aufs Neue.<\/p>\n<p><strong>Feuer und Funkenflug <\/strong><br \/>\nDie Luft \u00fcber den schwarzen Kohlen flirrt vor Hitze. Schmied Sebastian zieht das Eisen aus dem clever improvisierten Schmiedefeuer, das er auf einem Kohlegrill zwischen den Wiedendrehern und der Kinzig angefacht hat. Schnell dreht er sich einmal um seine Achse, legt das vor Hitze rotgl\u00fchende Eisen auf den Amboss und beschl\u00e4gt es mit dem Hammer. Er ist dabei, einen Flo\u00dfhaken zu schmieden. \u201eDas ist ein geschwungener Haken, der auf einen starken Stock gesteckt wird\u201c, erkl\u00e4rt der Schmied der kleinen Menschenmenge, die, angezogen vom Feuer und den Funken, neugierig um die kleine Schmiedestation steht. Der Flo\u00df\u00adhaken war ein wichtiges Werkzeug der Fl\u00f6\u00dfer. Damit konnten sie das Holz gut greifen und drehen. Sebastian ist der einzige Darsteller auf dem Fest, der kein Mitglied in einem Fl\u00f6\u00dferverein ist. Alle anderen geh\u00f6ren entweder zum Schiltacher oder zum Wolfacher Verein, die gemeinsam das Fest ausrichten.<\/p>\n<p><strong>Das Ende und die Wiedergeburt der Fl\u00f6\u00dferei<\/strong><br \/>\nDurch den Ausbau der Eisenbahn endete die Arbeit der Kinzigtaler Fl\u00f6\u00dfer. Das Handwerk, das jahrhundertelang vom Vater an die S\u00f6hne weitergegeben worden war, geriet in Vergessenheit und mit ihm das tief verwurzelte Wissen \u00fcber die Fl\u00fcsse und die B\u00e4ume. Im Fr\u00fchjahr 1998, \u00fcber 100 Jahre nachdem das letzte Flo\u00df die Kinzig hinabgefahren war, wurde der Schiltacher Fl\u00f6\u00dferverein gegr\u00fcndet, um das alte Erbe wiederzubeleben. Mit gro\u00dfem Erfolg, wie die G\u00e4ste des Fl\u00f6\u00dferfests<br \/>\n best\u00e4tigen k\u00f6nnen. Die modernen Fl\u00f6\u00dfer gehen zwar in den Wintermonaten nicht mehr in den Wald, um B\u00e4ume zu f\u00e4llen. Aber sie bauen und fahren die Gest\u00f6rfl\u00f6\u00dfe genau so wie fr\u00fcher. Mit ihrer intensiven Forschungsarbeit und der Liebe zur Tradition haben sie das immaterielle Kulturerbe wieder aufleben lassen.<\/p>\n<p>Info-Kasten:<\/p>\n<p>Mehr Infos zu Fl\u00f6\u00dfern und Kinzigtal gibt es auf: <a href=\"http:\/\/schiltacher-floesser.de\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">schiltacher-floesser.de<\/a> |  <a href=\"http:\/\/schwarzwald-kinzigtal.info\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">schwarzwald-kinzigtal.info<\/a> | <a href=\"http:\/\/schwarzwald-tourismus.info\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">schwarzwald-tourismus.info<\/a><\/p>\n<p>Quelle:<br \/>\nTMBW<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_119007 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_119007')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_119007').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"\",\"perma_option\":\"off\",\"action\":\"like\",\"language\":\"de_DE\"},\"twitter\":{\"reply_to\":\"nnews_de\",\"tweet_text\":\"Es%20lebe%20die%20Tradition%20%C2%BB%20N-News.de\",\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"\",\"perma_option\":\"off\",\"language\":\"de\",\"referrer_track\":\"\"},\"gplus\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"\",\"perma_option\":\"off\",\"referrer_track\":\"\"},\"pinterest\":{\"status\":\"on\",\"the_excerpt\":\"Es lebe die Tradition &raquo; #schwarzwald #tradition\\r\\n\\r\\nLange wurde Holz auf Fl\\u00fcssen transporti ...\",\"txt_info\":\"\",\"perma_option\":\"off\",\"media\":\"https:\\\/\\\/www.n-news.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2024\\\/06\\\/Schwarzwaldtracht_600b.jpg\"},\"linkedin\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an LinkedIn senden. 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