Freilichtspiele Schwäbisch Hall: „Das Spiel von Liebe und Zufall“ von Pierre Carlet de Marivaux

#freilichtspiele

Premiere am Donnerstag, 6. August, 20 Uhr 30, Große Treppe

Neuinszenierung auf der Großen Treppe

„Das Spiel von Liebe und Zufall“ von Pierre Carlet de Marivaux

Endlich darf wieder Theater gespielt werden! Aber nur unter den Bedingungen der Pandemie, also mit zuvor nicht geahnten Vorschriften für Bühnengeschehen und Publikum. Für deren Einhaltung, ist kaum eine Bühne und kaum ein Zuschauerraum geeigneter als die Große Treppe und der weitläufige Marktplatz in Schwäbisch Hall. Natürlich mit einem strikten Sicherheitskonzept. Konnten sonst bis zu 1.600 Plätze angeboten werden, sind es jetzt nur 400. Dafür müssen geeignete Stücke gefunden werden, die den Abstandsregeln auf der Bühne Rechnung tragen und am besten die Fragen der Distanz auch noch thematisieren. Überraschend gut passt da die Komödie von Marivaux, geht es hier doch um die Frage: Wie eng darf ich demjenigen, für den ich schwärme, auf den Leib rücken, bis er mich liebt? Lässt sich die Liebe von Fern überprüfen?

Es geht um die Liebe, wie damit gespielt wird und wie der Zufall da hineinspielt. „Das Spiel von Liebe und Zufall“ ist eine überaus vergnüglich geistreiche Kleidertausch-Komödie, in der zwei junge Menschen das Herz des/der Zukünftigen prüfen wollen, indem sie mit Diener und Kammerzofe die Rollen tauschen. Keiner weiß vom Tausch des anderen, doch die Herzen mögen sich auch so entflammen. Dann verliebt sich die scheinbare Zofe in den scheinbaren Diener, und beide wissen vor lauter Standesunterschiedbedenken nicht ein noch aus; Verwirrung auf allen Seiten. Nur einer hat die Spielfäden in der Hand: der Vater. Mit Gefühlen spielt man nicht, doch wenn die Eitelkeit einen dazu treibt, mag’s Verletzungen geben, aber auch den hintergründig lustigen Fingerzeig auf uns: Wie Liebe einen doch verändern kann…

Mit Phillip Moschitz stellen die Freilichtspiele Schwäbisch einen jungen Regisseur vor, der sich mit viel Spiellust, Musikalität und einer guten Portion Frechheit dem Text von Marivaux nähert. Für die Musik ist der musikalische Leiter der Festspiele Heiko Lippmann verantwortlich und für die Ausstattung und die schrillen Kostüme die festspielerfahrene Kostüm- und Bühnenbildnerin Cornelia Brey.

Weitere Informationen und Tickets auf www.freilichtspiele-hall.de

Frühere Veranstaltung auf der großen Treppe. »Die Tochter des Salzsieders« war ein sensationeller Erfolg! Foto: © Freilichstpiele Schwäbisch Hall, Jürgen Weller

Weiteres zu Marivaux
In vielen Theaterstücken von Marivaux (1688-1763) geht es um Verwechslung und Verkleidung, in vielen um Standesunterschiede und die Liebe und die Frage, wie sich ein Gleichklang der Herzen prüfen lässt. Marivaux meint, dass die meisten Autoren die Menschen idealisieren, er aber will sie so beschreiben, wie sie wirklich sind. Ihn beschäftigen die Selbsttäuschung, die Verstellung und die Eitelkeit, und überaus modern: die immerwährenden Zuschreibungen, die Klischees, die vornehmlich die Frauen falsch darstellen. Marivaux sieht, wie seine Zeit, den Dreh- und Angelpunkt der Ich-Vorstellung im Herzen, dessen Leidenschaften prägen die Identität jedes Einzelnen. Und die menschlichen Schwächen, vornehmlich die Eitelkeit, werden in zugespitzter Form der Lächerlichkeit preisgegeben; als überzeugter Aufklärer erhofft man sich davon eine erzieherische Wirkung.

Im 18. Jahrhundert wurde in den höheren Schichten eine neue Kultur der Nähe erschaffen. Das Seelenhafte, Innerliche und Geistige sollte die körperliche Nähe ersetzen. In der Ära der Empfindsamkeit erhält das Zusammenleben in den gebildeten Kreisen eine stark sentimentale Note. Aus Berührung wird Rührung – immer vorausgesetzt, dass die (hier pandemiebedingt neu eingeführten) Abstandsregeln zwischen den Körpern gewahrt bleiben. Das Spiel von Liebe und Zufall wird deswegen in der aktuellen Inszenierung um den spielerischen Umgang mit der Distanz erweitert.

Besetzung
Philipp Moschitz führt Regie, in Hall war er als Schauspieler beim Metropolgastspiel „Die Kinder des Olymp“ zu sehen und seine Inszenierung von „Alice“ gab’s im letzten Herbst. Heiko Lippmann, der musikalische Leiter der Freilichtspiele, hat die Musik arrangiert und einstudiert: Cornelia Brey, die in diesem Jahr „Maria Stuart“ ausgestattet hätte, entwarf Bühnen- und Kostümbild. Es spielen: Dirk Weiler, Martina Lechner, Alice Hanimyan und Nathanaël Lienhard, alle bekannt aus Inszenierungen der letzten Jahre. Dazu Martin Maecker, der unter Vorgängerintendant Christoph Biermeier im „Sommernachtstraum“ und als Ferdinand in „Kabale und Liebe“ zu sehen war. Und Partrick Nellessen, erstmals im Ensemble; er spielte auch in „Alice“, dem Metropolgastspiel im Neuen Globe.

Regie Philipp Moschitz
Musikalische Leitung Heiko Lippmann
Bühne und Kostüme Cornelia Brey
Herr Orgon Dirk Weiler
Mario Martin Maecker
Silvia Martina Lechner
Dorante Patrick Nellessen
Lisette, Alice Hanimyan
Silvias Zimmermädchen
Harlekin, Nathanaël Lienhard
Dorantes Diener

Neue Regeln in Zeiten der Pandemie
Das Publikum wird gebeten, rechtzeitig zur Vorstellung zu kommen, um Warteschlangen am Einlass zu vermeiden. Es gibt in diesem Jahr drei Eingänge zum Marktplatz: den Haupteingang am Markt, einen beim Hotel Adelshof und einen durch die Obere Herrngasse. Bitte ausschließlich den Eingang nutzen, der auf der Karte vermerkt ist. Auf dem Marktplatz können nicht wie gewohnt Getränke gekauft werden. Bitte an heißen Tagen z.B. Wasser, wenn möglich in einer Plastikflasche mitbringen. Am Einlass muss man eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, am Platz kann sie selbstverständlich abgenommen werden.

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