Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten

#hdgbw #Stuttgart

Sonderausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, 20.12.2019 – 2.8.2020

Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten

Stuttgart (hdgbw) – Was der Mensch auf seinem Kopf trägt, setzt Zeichen – ob Helm oder Kopftuch, ob Bollen- oder Heckerhut. Die Ausstellung „Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg führt durch Zeiten, in denen der Mensch ohne Kopfbedeckung nicht vollständig war. Und sie zeigt, über welche Kopfsachen heute diskutiert wird: Kann man sich in Deutschland mit der jüdischen Kippa auf die Straße trauen? Was trägt der Protest gegen Frauenfeindlichkeit?

„Kopfbedeckungen erzählen Geschichte und Geschichten“, sagte die Direktorin des Hauses der Geschichte, Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger bei der Eröffnungspressekonferenz am 19. Dezember 2019. „In der Ausstellung geht es um Macht, Ordnung und Auflehnung, um Tradition, Revolution und Religion, um richtig oder missverstandene und widersprüchliche Symbole.“

Ausstellungsflyer © Haus der Geschichte Baden-Württemberg


Der Streit um das Kopftuch steht am Anfang der Ausstellung. „Es zeigt, wie auch andere Objekte, dass Kopfbedeckungen vieldeutige Zeichen sind“, erklärte Kurator Dr. Sebastian Dörfler. „Während es von manchen Musliminnen als Symbol der Unterdrückung bewusst abgelegt wurde, ist es für andere Trägerinnen Teil ihrer Religion und ihrer Persönlichkeit.“ Ausgestellt ist unter anderem ein Kopftuch der Lehrerin Fereshta Ludin: Sie stritt vergeblich vor dem Bundesverfassungsgericht dafür, mit dem Glaubenssymbol unterrichten zu dürfen. Auch traditionelle Christinnen, ein provozierender Pfarrer in Aalen und ein Stuttgarter Kaufhaus spielen in Sachen Kopftuch eine Rolle.

In insgesamt 44 bunten Vitrinen präsentiert das Museum die unterschiedlichsten Kopfbedeckungen und die Geschichten ihrer Trägerinnen und Träger. Als leuchtende Schaufenster sind sie zu vier Plätzen und Straßen gruppiert. Jede Vitrine greift eine Zeit oder ein Thema auf und zeigt züchtige, martialische, streitbare, intellektuelle oder modische Kopfbedeckungen. Manche zierten berühmte Häupter wie die von Schiller, Zeppelin oder Heuss. Manche haben eine tragische Geschichte wie eine Reihe von Mützen, die lange im Besitz einer Studentenverbindung waren, weil sie von ihren jungen Trägern niemals abgeholt wurden – sie fielen im Ersten Weltkrieg. Andere Männer hatten mehr Glück: In zwei der gezeigten Helme blieben Geschosse stecken.

Die Ausstellung stellt außerdem die verblüffenden Anfänge vieler Kopfgeschichten vor. Was haben Hüte mit Naturschützern zu tun, und welche Rolle spielte dabei die „Vogelmutter“ Lina Hähnle? Warum hat der „badische Bollenhut“ auch schwäbische Wurzeln? Wieso sieht ein falscher Heckerhut echter aus als ein echter Heckerhut?

Das Hut-ab-Begleitprogramm widmet sich kontroversen, kreativen und künstlerischen Kopfsachen. Eine Frauenrunde diskutiert am 16. Januar über das „Symbol Kopftuch“. In einer Modenschau zeigen Models am 13. Februar „Head Pieces“ von Mode-Studierenden der Hochschule Pforzheim. Zur Langen Nacht der Museen zaubert einer der besten Close-up Magier Deutschlands Unglaubliches aus dem Hut. Und für Kinder bietet das Haus der Geschichte mehrere Workshops und Führungen an – von fiesen Fälschern bis zu Klaus der Laus.

Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm finden sich im Internet unter www.hut-ab-ausstellung.de

Promotion

Eine Antwort zu Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten

  1. Begleitprogramm zu „Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten“ startet

    Stuttgart (hdgbw) – Mit einer Diskussion über das „Symbol Kopftuch“ beginnt am Donnerstag, 16. Januar 2020 das umfangreiche Begleitprogramm zur neuen Sonderausstellung „Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Bei der Podiumsdiskussion geht es um die Frage, ob das islamische Kopftuch Unterdrückung symbolisiert. Werden muslimische Frauen gezwungen, sich zu bedecken, und dadurch diskriminiert? Oder vielmehr, weil sie sich bedecken und Arbeitgeber keine Kopftuchträgerinnen einstellen wollen? In Ländern wie Saudi-Arabien oder dem Iran ist das Kopftuch für Frauen Pflicht – soll es ihnen in Deutschland verboten werden? Gefährdet es tatsächlich unsere Gesellschaft und ihre Werte?

    Eine Woche später am Donnerstag, 23. Januar, folgen literarische und populäre Hutgeschichten mit Schauspielerin Sonja Kargel. Die Modenschau „Head Pieces“ am Donnerstag, 13. Februar, zeigt, was zukunftsweisende Formensprache und die Kraft der Farben aus Kopfbedeckungen machen können. Bei der Langen Nacht der Museen, am Samstag 21. März, zaubert einer der besten Close-up Magier Deutschlands unglaubliche Dinge aus dem Hut. Schließlich zeigen Stadt-Flaneur Jo Bauer und Akkordeon-Virtuose Stefan Hiss am Mittwoch, 25. März, bei einer musikalischen Lesung, was sich unter ihren Hüten so alles abspielt.

    Die Ausstellung „Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten“ ist bis zum 2. August 2020 zu sehen und kostet 5 Euro Eintritt.