70. Geburtstag von Stuttgarts Ehrenbürger Prof. Dr. Wolfgang Schuster

#Stuttgart

70. Geburtstag von Ehrenbürger Prof. Dr. Wolfgang Schuster

Über 25 Jahre in verantwortlicher Funktion bei der Landeshauptstadt – Empfang im Rathaus
Prof. Dr. Wolfgang Schuster ist am 5. September 70 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn zu einem Empfang ins Rathaus geladen. Es kamen rund 250 Vertreter aus Landes- und Kommunalpolitik sowie der Stadtgesellschaft.

Schuster war, wie er selbst ausführte, über 25 Jahre in leitender Funktion bei der Landeshauptstadt, 16 Jahre davon als Oberbürgermeister. Die Redner würdigten seine Verdienste für Stuttgart und zollten ihm Respekt für sein nachhaltiges Wirken. Schuster ist der einzige lebende Ehrenbürger der Stadt.

OB Kuhn führte aus: „Ich bewundere, bei allen politischen Unterschieden, Ihre Leistung für diese Stadt. Sie haben viel Gutes erreicht für die Wirtschaft und Ihr Name steht für Kultur und Nachhaltigkeit. Von Ihrem Einsatz für die Integration profitieren wir noch heute.“ Schuster habe die Bildungslandschaft gestärkt und Internationalität als Steckenpferd gehabt. „Sie haben viel zur Völkerverständigung beigetragen und dafür gesorgt, dass Stuttgarts Name in der Welt gehört wird.“ Kuhn sprach „im Namen der gesamten Stadt“ den Dank für die Arbeit von Schuster aus und beglückwünschte ihn zum Geburtstag. Als Geschenk überreichte er ein Buch mit Kochrezepten von Menschen, die nach Stuttgart eingewandert sind, ein Glas mit Honig von Rathausbienen und eine Pfeffermühle in Form des Fernsehturms.

Günther Öttinger übermittelte in einer Videobotschaft die „besten Grüße der EU-Kommission.“ Schuster habe stets die Interessen der Stadt wahrgenommen und Kompromisse mit dem Land gesucht und gefunden. Der ehemalige Ministerpräsident lobte die Zusammenarbeit bei der Landesbank, beim Bau der Neuen Messe, beim Flughafen, bei Stuttgart 21 und beim Staatstheater. „Stuttgart hat nach dem 2. Weltkrieg immer Glück gehabt mit seinen Oberbürgermeistern, die 16 Jahre unter Schuster haben der Stadt gutgetan. Dein Wirken für eine lebenswerte Stadt ist auch heute noch sichtbar“, so Öttinger.

Die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Dr. Susanne Eisenmann, sprach über ihre „persönliche Verbundenheit und Schusters Grundidee für Stuttgart, nämlich das kontinuierliche Ringen um die beste Lösung bei Themen wie: Städtebau, Wirtschaft, Kultur oder gesellschaftliches Miteinander.“ Schuster habe sich immer aufgeschlossen gezeigt. „Deine Beharrlichkeit und Wertschätzung gegenüber allen Mitmenschen sind bewundernswert“, so die langjährige Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport.

Stuttgarts ehemalige Oberbürgermeister Dr.Wolfgang Schuster feiert bei einem Festakt im Stuttgarter Rathaus seinen 70ten Geburtstag. Im Bild v.L.: Fritz Kuhn , Waltraud Ulshöfer , Stefanie und Wolfgang Schuster und Dr.Susanne Eisenmann. Rechte: Stadt Stuttgart, Foto: Lichtgut/Piechowski

Die frühere Präsidentin des Deutschen Städtetages, Dr. Eva Lohse, sagte Schuster habe sich ausgezeichnet durch „Bürgernähe, Kompetenz und Durchsetzungsvermögen und sein großes Verständnis für zukünftigen Wohlstand. Die Idee der nachhaltigen Stadt zeigt sich in der Schaffung von Lebensräumen, in denen sich die Gesellschaft entwickeln kann.“ Schuster habe sich auch außerhalb Stuttgarts stets für die kommunale Sache eingesetzt.

In seinem Festvortrag warb der Architekt Prof. Werner Sobek für die Errichtung „emissionsfreier Städte. Wir müssen mit weniger Material für mehr Menschen bauen. Wichtig ist, dass Häuser aus möglichst recyclefähigen Material hergestellt werden, nur das schont die endlichen Ressourcen unseres Planeten. Wir leben nicht allein auf der Erde, wenn wir eine Zukunft haben wollen, müssen wir nachhaltiger bauen.“
Schuster selbst mahnte: „Kommunalpolitik darf keine Kirchturmpolitik sein. Verantwortliche Politik stellt das Gemeinwohl in den Vordergrund. Die hohe Lebensqualität Stuttgarts kommt vom Engagement der vielen Ehrenamtlichen in den Stadtbezirken oder auch den vielen unter Natur- oder Landschaftsschutz gestellten Flächen.“ Kommunalpolitik habe ihn schon früh fasziniert. „Eine Stadt ist immer in Bewegung. Durch die örtliche Allzuständigkeit – von der Wiege bis zur Bahre – kann man in Kommunen Theorie und Praxis am besten in Einklang bringen, sei es bei Fragen der nachhaltigen Finanzpolitik, dem Umgang mit dem anhaltenden Zuzug vieler Menschen oder ihrer Integration. Ich habe mich gern für die Stadt eingebracht und konnte Sinnvolles gestalten.“ Auf die ihm häufig gestellte Frage nach seinem Geburtstagwunsch sagte er: „Ich wünsche mir, dass all unsere Enkelkinder zu ihrem 70. Geburtstag sagen können: ich konnte in Frieden, in einem demokratischen und sozialen Rechtsstaat mit hoher Umweltqualität leben und meine Talente im Beruf und in unserer Gesellschaft gestaltend einbringen.“
Ihr musikalisches Können zeigten an diesem Abend die Stuttgarter Talente Tim Dreher und Konrad Unger sowie das Duo Parallel.

Prof. Schusters Bilanz als Oberbürgermeister
Prof. Schuster legte in seiner Amtszeit Wert auf eine nachhaltige Entwicklung der Stadt: wirtschaftlich, ökologisch, gesellschaftlich und kulturell. Zu Beginn seiner Amtszeit betrug die Arbeitslosigkeit zehn Prozent, deshalb war ihm die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen zentrales Anliegen. Es entstanden tausende neue Stellen, Unternehmen investierten Milliarden in den Standort. Stuttgart zählt heute trotz der Eintrübung während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 zu den bedeutendsten Wirtschaftsstandorten in Deutschland und Europa. Auch Schulden von über 800 Millionen Euro konnten dank strikter Ausgabendisziplin abgebaut werden. Gleichwohl hat die Stadt als Konzern während seiner Amtszeiten zwölf Milliarden Euro investiert in Bildung, in Kinder und Jugendliche, in die Stadtentwicklung, in den sozialen Zusammenhalt, in die Internationalität und in Kultur und Sport. Schuster gründete die „Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft“. Dieser Zusammenschluss von Verwaltung, Polizei und bürgerschaftlichen Organisationen hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass Stuttgart heute als eine der sichersten Großstädte deutschlandweit gilt.

Unter Schuster wurden 39 Prozent der Stadtfläche als Landschaftsschutz- bzw. Naturschutzgebiete ausgewiesen. Mit Schuster verbunden werden zudem die Entwicklung des NeckarParks zu einem Viertel mit Wohnen wie auch Kultur und erstklassigen Sportevents ebenso die Errichtung des Kunstmuseums am Schlossplatz, die Stadtbibliothek am Mailänder Platz, die bauliche Umstrukturierung des städtischen Klinikums oder der Umzug der Messe vom Killesberg auf die Filder. Schusters Augenmerk galt im Besonderen der gesellschaftlichen Integration. Er hat sich für das Miteinander der Generationen und für ein solidarisches und tolerantes Stuttgart eingesetzt. Sein Programm für ein kinderfreundliches Stuttgart – eine Antwort auf demographische Entwicklungen – hat über Fraktionsgrenzen Anerkennung gefunden. Das „Bündnis für Integration“ hat dazu beigetragen, dass sich Stuttgart zu einer weltoffenen und internationalen Stadt mit Menschen aus über 170 Nationen entwickelt hat. Die Repräsentation Stuttgarts in internationalen Gremien, die städtepartnerschaftlichen Beziehungen, das Engagement für ein vereintes, durch gemeinsame Werte und Überzeugungen zusammengehaltenes Europa, die fachbezogene Zusammenarbeit mit Kommunen in der ganzen Welt – etwa bei „Cities for Mobility“ – haben Stuttgart Anerkennung verschafft.

Schuster hat auch Akzente in der Umwelt- und Energiepolitik gesetzt. Bereits 1997 hat die Stadt ein eigenes Klimaschutzprogramm aufgelegt. Er hat sich für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs eingesetzt wie auch für die Nutzung der E-Mobilität. In der Überzeugung, dass Stuttgart 21 eine einmalige Chance für die Stadt ist, hat er sich um eine sachliche Argumentation für das Bahnprojekt bemüht.
In der Begründung zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft heißt es wörtlich: „Seine Ziele hat Schuster mit außergewöhnlichem und unermüdlichem Einsatz verfolgt. Dabei hat er sich von der Überzeugung leiten lassen, dass Stuttgart seinen Spitzenplatz wird behaupten können, wenn es auch künftig gelingt, die ökonomische Weiterentwicklung mit der ökologischen und sozialen Weiterentwicklung zu verbinden.“

Promotion



Promotion