Kunstmuseum – Der Ausblick auf 2019

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RÜCKBLICK AUF 2018, AUSBLICK AUF 2019

Das Kunstmuseum Stuttgart kann auf ein außergewöhnlich erfolgreiches Jahr zurückblicken. 2018 stellte es sogar den Publikumsrekord aus den Jubiläumsjahren 2015/2016 ein. Insgesamt 223.700 Besucher_innen haben sich das Museum im Herzen der Stadt Stuttgart angeschaut (Besucher-zahlen 2016: 169.200, 2017: 149.600). Der Besuchererfolg begründet sich vor allem in zusätzlichen Ausstellungs- und Veranstaltungsformaten: Großen Zuspruch erhielt zum einen die Ausstellung zu Reinhold Nägele in den Sammlungsräumen. Erstmalig fand zum anderen die Gamezone des Inter-nationalen Trickfilmfestivals im Museum statt. Zudem verband Tino Sehgal über einen Zeitraum von fünf Wochen den öffentlichen Bereich vor dem Museum, das Foyer und den Bereich unmittelbar vor den Sammlungsräumen miteinander und zog somit zahlreiche Besucher_innen in das Museum.

2018 begann wie 2017 endete, mit »Patrick Angus. Private Show« (2. Dezember 2017 – 8. April 2018). Die retrospektiv angelegte Ausstellung – die erste in Deutschland – gab mit über 200 Gemälden und Zeichnungen einen umfassenden Einblick in das Schaffen des US-amerikanischen Malers Patrick Angus (1953–1992). Im Sommer setzte sich das Kunstmuseum Stuttgart in der Ausstellung »Mixed Realities. Virtuelle und reale Welten in der Kunst« (5. Mai – 26. August 2018) als erste museale Einrichtung in der Innovations- und Metropolregion Stuttgart den Fragen und Anforderungen, die sich im Um-gang mit digitalen Strategien wie »Virtual Reality« und »Augmented Reality« für die Kunst er-geben. Gezeigt wurden Anwendungsmöglichkeiten von VR und AR in der bildenden Kunst, bei denen nicht ausschließlich digitale Verfahren Anwendung finden, sondern wie diese mit traditionellen analogen Medien, etwa Malerei oder Skulptur, eine Verbindung bilden.

Berauscht, entrückt, verzückt: Derzeit spürt die Ausstellung »EKSTASE« (nur noch bis 24. Februar 2019) anhand von Kunstwerken von der Antike bis in die Gegenwart dem Zustand des Außer-sich-Seins in seiner kunsthistorischen und der damit verbundenen kulturellen Bedeutungsgeschichte nach. Gezeigt werden verschiedene Facetten der Ekstase wie der dionysische Kult, die religiöse Verzückung, der brasilianische Candomblé, Schamanismus, Sport, Tanz- und Musikekstasen, Liebesekstasen, Jugendkultur oder die drogeninduzierte Ekstase. Die gattungsübergreifende Ausstellung wird begleitet von zahlreichen Konzerten, Kooperationsprojekten und Vorträgen. Tino Sehgal realisierte im Sommer 2018 anlässlich der Verleihung des Hans-Molfenter-Preis der Landeshauptstadt Stuttgart eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart (22. Juni – 29. Juli 2018). Mit seinen Arbeiten, die er »konstruierte Situationen« nennt, erprobt Sehgal einen neu-artigen Ansatz live aufgeführter Kunst. In unterschiedlichen Choreografien wurde der öffentliche Bereich vor dem Museum, das halböffentliche Foyer und das Areal vor den Sammlungs-räumen zur Bühne für seine Akteur_innen.

Ausstellung »EKSTASE« (nur noch bis 24. Februar 2019)

Ein großer, unerwarteter Publikumserfolg war die Schau »Reinhold Nägele. Chronist der Moderne« (27. Januar – 3. Juni 2018) zum Jahresbeginn in unseren Sammlungsräumen. Der Künstler Reinhold Nägele gilt als präziser Beobachter zeitgeschichtlicher Ereignisse sowie technischer und städtebaulicher Veränderungen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart rückte insbesondere die Stadt Stuttgart und die Region in den Fokus. Ann-Kathrin Müller war die erste Fotokünstlerin, die im »Frischzellen«-Bereich im Untergeschoss des Museums ihre Arbeiten präsentierte (»Frischzelle_24: Ann-Kathrin Müller«, 7. Oktober 2017 – 7. Oktober 2018). Auf Ann-Kathrin Müller folgte im Herbst Benjamin Bronni (»Frischzelle_25: Benjamin Bronni«, 27. Oktober 2018 – 29. September 2019). Seine abstrakten Arbeiten thematisieren die Illusion von Raum und Dreidimensionalität – Gemälde, Wandobjekte, Skulpturen und Papierarbeiten treten hier zueinander in Wechselbeziehungen. Eine in situ-Wandmalerei verknüpft den Präsentationsort mit den anderen ausgestellten Werken.

Seit September zeigt sich die Sammlung Kunstmuseum Stuttgart rundumerneuert. Die Neupräsentation stellt wichtige Werkkomplexe von Otto Dix, Willi Baumeister, Dieter Roth, Gego, Joseph Kosuth und Josephine Meckseper vor, zudem sind zahlreiche Neuankäufe erstmals zu sehen, darunter Arbeiten von Sarah Morris, Dave Bopp, Corinne Wasmuht, Katinka Bock und Ben Vautier. In Augenschein kann aktuell auch eine Auswahl an Gemälden der Schwäbischen Impressionisten genommen werden, die als Grundstock der Stuttgarter Kunstsammlung gilt. Da staunte Torsten Eder nicht schlecht: Als er am 13. Februar 2018 mit seinen Söhnen an die Museumskasse trat, wurde er von BM Dr. Fabian Mayer und Direktorin Dr. Ulrike Groos als zweimillionster Besucher im Kunstmuseum begrüßt – natürlich gab es kleine Geschenke und einen Blumenstrauß.

Einmal im Jahr wird Stuttgart zum weltweiten Zentrum von Trickfilm und Animation. Mit der GameZone gastierte im April 2018 erstmals das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart im Kunstmuseum. Unter dem Schwerpunktthema »Digitalisierung und Museen« wurden aktuelle Tendenzen der Computerspielkultur präsentiert. Auch in diesem Jahr wird das Kunstmuseum Stuttgart wieder Partner des Trickfilm-Festivals sein. Auch 2018 setzte das Kunstmuseum Stuttgart seine erfolgreiche Kooperation mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen fort: Emilíana Torrini, Claudio Puntin und Sebastian Studnitzky trafen im Juni zur Song Conversation im Kunstmuseum Stuttgart zusammen. 2019 wird es eine neue Auflage dieser Konzertreihe geben. Welche Musiker wir dann auf der Bühne begrüßen dürfen, wird in Kürze bekannt gegeben. Einmal im Jahr tun sich die Anrainer vom Kleinen Schlossplatz zusammen und verwandeln die kahle Platte hinter dem Kunstmuseum für ein Wochenende in eine grüne Oase: Die Urban Island (28. Juni – 1. Juli 2018) lud mit Musik, Kunst, kulinarischen Genüssen und tropischen Pflanzen im hektischen Stadtzentrum zum Abhängen, Ausspannen und Feiern ein.

Ein beliebtes Ausflugsziel bleibt das Museum Haus Dix in Hemmenhofen am Bodensee. 10.919 Besucher_innen begaben sich zwischen März und Oktober 2018 auf die Spuren des berühmten Malers Otto Dix und seiner Familie, die von 1936 in der heute als Museum zugänglichen Villa mit Blick auf den Bodensee wohnten. Ab dem 16. März 2019 stehen dort wieder die Türen offen (Saisonende 31. Oktober 2019). Bleibt noch ein kurzer Blick in die Zukunft, auf das, was das Kunstjahr 2019 bringen wird: Den Anfang macht der »Kubus. Sparda-Kunstpreis« (23. März – 23. Juni 2019), der alle zwei Jahre gemeinsam vom Kunstmuseum und der Sparda-Bank Baden-Württemberg vergeben wird. Die nominierten Künstler_innen Sinje Dillenkofer, Peter Granser, Annette Kelm und Armin Linke stellen ihre Werke im Kubus in je eigenen Räumen aus. Der Sparda-Kunstpreis steht in diesem Jahr unter dem Leitthema der Fotografie. Im Sommer widmen wir uns dem Werk des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson (»Ragnar Kjartansson«, 20. Juli – 20. Oktober 2019). Die monografische Ausstellung vereint Beispiele zu den wesentlichen Themenkomplexen seines Schaffens – angefangen von einer im Jahr 2000 begonnenen, fortlaufenden Videoserie bis hin zu neuen, erstmals in der Ausstellung zu sehenden Arbeiten. Kjartansson verknüpft spielerisch bildende Kunst, Literatur, Musik und darstellende Kunst.

Es folgt im November 2019 schließlich die Themenausstellung »Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels 1520 – 1970« (23. November 2019 – 19. April 2020). Zu sehen sein werden Bilder, Objekte und Installationen von den späten 1950er-Jahren bis 1970, unter anderem von Gianni Colombo, Bridget Riley, Nicolas Schoeffer und Victor Vasarely. Außerdem werden in der Ausstellung Bezüge zur Kunst des 15. bis 18. Jahrhunderts, in denen optische Effekte eine Rolle spielen, hergestellt. Das Ausstellungsprojekt ist eine Kooperation mit dem mumok – museum moderner kunststiftung ludwig in Wien. Die Ausstellungsreihe junger Kunst »Frischzelle« wird ebenfalls im Herbst fortgeführt. Auch über das neue Kunstjahr 2019 und darüber hinaus bleibt sie am Kunstmuseum Stuttgart: Zum Jahresende 2018 wurde einstimmig vom Stiftungsrat unter dem Vorsitz von Kulturbürger-meister Dr. Fabian Mayer die Vertragsverlängerung von Direktorin Dr. Ulrike Groos bis 2024 beschlossen.

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Eine Antwort zu Kunstmuseum – Der Ausblick auf 2019

  1. Armin Linke erhält Sparda-Kunstpreis »Kubus« 2019

    Der mit 20.000 Euro dotierte Kunstpreis »Kubus« wurde 2013 gemeinsam mit der Sparda-Bank Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Seither wird er im Zwei-Jahres-Rhythmus verliehen. Mit der Auszeichnung wird eine herausragende Leistung im Bereich der Bildenden Kunst anerkannt. Die diesjährige Ausstellung »Kubus. Sparda-Kunstpreis« steht unter dem Schwerpunkt »Künstlerische Fotografie«.

    Armin Linke erhält 2019 den Sparda-Kunstpreis »Kubus«. Das entschied eine Jury, die sich aus Vertreter_innen der Sparda-Bank Baden-Württemberg und ihrer Kunststiftung, Bernd Klink und Martin Buch, des Kunstmuseum Stuttgart, Ulrike Groos und Sabine Gruber, Thomas Seelig, Leiter der fotografischen Sammlung des Museum Folkwang in Essen, der Filmregisseurin Wiltrud Baier (Brot und Böller, Stuttgart) sowie dem Intendanten des Schauspiel Stuttgart, Burkhard C. Kosminski, zusammensetzte. Linkes Arbeiten werden seit 23. März 2019 in einer Gruppenausstellung mit den ebenfalls Nominierten Sinje Dillenkofer, Peter Granser und Annette Kelm im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt.

    Die Begründung der Jury lautet: »Armin Linke gibt im Kunstmuseum Stuttgart erstmals Einblick in das gemeinsam mit der Fotohistorikerin Estelle Blaschke entwickelte Projekt »Image Capital«. Das eigens für die Räume des Kunstmuseum Stuttgart konzipierte Display erweist sich dabei als ortspezifische Installation von experimentellem Charakter, die das Medium der Fotografie in besonderer Weise reflektiert. Digitale Technologien haben das Wesen der Fotografie radikal verändert. Weltweit kursieren Millionen von Bildern, die archiviert, kontrolliert und kommerziell verwertet werden. Sie speichern Informationen über die Welt, die sie abbilden und dienen neuesten Entwicklungen wie maschinellem Sehen und künstlicher Intelligenz als eine Art Rohstoff. Im Rückgriff auf die Geschichte und Entwicklung der Fotografie, die in Bild, Text und Film anschaulich nachgezeichnet wird, erweist sich das künstlerische Konzept als Schlüssel zur Lesbarkeit von Gegenwart und Zukunft.«

    Armin Linke (*1966 in Mailand, IT, lebt und arbeitet in Berlin, DE) war Professor für künstlerische Fotografie, u.a. an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und Forschungsmitglied am Massachusetts Institute of Technology, USA. Er befasst sich mit den politischen, kulturellen und technologischen Einschreibungen in unsere natürliche und urbane Umwelt. Sein umfangreiches Bildarchiv bildet den Ausgangspunkt für seine Recherchen zu unterschiedlichen Formen der fotografischen Repräsentation und Verschränkung von Geschichte und kollektivem Bildgedächtnis. Für »Image Capital« hat Linke mit Estelle Blaschke kooperiert, deren wissenschaftlichen Untersuchungen den Ausgangspunkt für die Arbeit bilden. Die Fotohistorikerin hat sich in ihrem Forschungsprojekt mit der 1936 von Otto Bettmann gegründeten Bildagentur beschäftigt, die 1995 in das Fotoarchiv und Fotodistributionsunternehmen Corbis einging und seit 2016 zu einem Unternehmen der chinesischen Visual China Group gehört. »Ich freue mich zusammen mit Estelle Blaschke sehr über die Auszeichnung«, so Armin Linke, »und widme diese meinen Mitaspiranten Sinje Dillenkofer, Peter Granser und Annette Kelm. Wir sind bereits im Vorfeld der Juryentscheidung übereingekommen, dass wir den Preis teilen werden – als Ausdruck künstlerischer und kollegialer Wertschätzung.«