Benjamin Bronni im Kunstmuseum Stuttgart

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FRISCHZELLE_25: BENJAMIN BRONNI

27. Oktober 2018 – 29. September 2019
Kunstmuseum Stuttgart

Für den Stuttgarter Künstler Benjamin Bronni ist Architektur ein wichtiger Bezugspunkt. Seine abstrakten Arbeiten thematisieren die Illusion von Raum und Dreidimensionalität. Er ist sowohl malerisch als auch bildhauerisch tätig – Gemälde, Wandobjekte, Skulpturen und Papierarbeiten treten zueinander in Wechselbeziehungen. Seine Werke führt der Künstler von Hand aus, bezieht aber in ihren Entstehungsprozess ebenso digitale Verfahren wie das 3D-Rendering mit ein. Im Kunstmuseum Stuttgart erzeugt Bronni mit einer in situ-Wandmalerei eine inhaltliche Verschränkung des Präsentationsorts mit seinen anderen Arbeiten.

Die großformatige Wandmalerei im Kunstmuseum ist Teil einer Serie von vergleichbar angelegten Projekten, in denen Bronni je spezifisch auf die Architektur des Ausstellungsorts eingeht. Als Bildgegenstand erscheinen mit schwarzer Tusche fein aufgesprühte senkrechte und waagerechte Geraden, die rechteckige Felder umreißen. Differenziert aufgesprühte Schatten und der Kontrast hellerer und dunklerer Flächen lassen einzelne Partien plastisch hervortreten. Schatten sind bei Bronni stets Teil der Werke. Sowohl die Skulptur Partition #2 (2018) als auch die Whitegrid / Blackgrid-Wandobjekte (2018, 2014) spielen mit den Gegensätzen von malerisch-weichen Schatten, die sie werfen, und ihrer eigenen körperlichen Präsenz. Zum Eindruck der Werke trägt auch die Beschaffenheit der Oberflächen bei. Die raue Verputzung der Skulptur bindet sie an die Wand, während die glatten, weißen Stellen der Whitegrid-Arbeiten einen leuchtenden Schimmer auf ihre Umgebung und die werkeigenen graduell grauen Elemente werfen. Das Objekt Untitled (10bars) aus dem Jahr 2017 führt im Vergleich dazu grafisch lineare Schatten vor.

Benjamin Bronni, MT-10/4-13F, 2013


Die Fold Space-Arbeiten (2017) veranschaulichen die Überführung architektonischer Körper in eine abstrakte Komposition. Ausgangspunkt sind dabei jeweils am Computer generierte dreidimensionale Raummodelle. In diese fügt Bronni geometrische Körper ein, die die digital prozessierten Räume durchkreuzen. Indem er einen Teil der geometrischen Formen per Mausklick bearbeitet und entfernt, entstehen Durchbrüche. Im nächsten Arbeitsschritt setzt er verschiedene Ansichten der digitalen Konstruktionen aneinander und überträgt sie mit Mitteln der Malerei auf die Leinwand. So hat man das Gefühl, in einen Raum hineinzublicken, der sich aufgrund der verschiedenen aneinandergesetzten Perspektiven doch nicht ganz erschließen lässt. Die Fold Spaces sind Gegenstücke zu den Werken der MT-Reihe, aus der MT-10/4-13F von 2013 in der Ausstellung zu sehen ist. In dem Holzobjekt sind verschiedene Formen und Rahmenstücke so ineinandergeschoben, dass seine Gesamtgestalt zwischen Räumlichkeit und Flächigkeit changiert.

Einige der Collagen aus der Serie der Shaded Papers, die 2017 begonnen wurde, sind ebenfalls digital konzipiert. Bronni wendet hier parallel digitale und analoge Verfahren an. In der analogen Variante benutzt er reale, gegeneinander verschobene Papierbögen, die er mit Tusche besprüht. Seitenränder, Risse, Knickkanten und Wölbungen zeichnen sich so als Spuren auf der Unterlage ab. Im Prozess entstehen Tiefe und Körperlichkeit, insbesondere dort, wo die Tusche das feuchte Papier an den Rändern wellt und dunkel aufscheint. Es bleibt den Betrachter_innen überlassen herauszufinden, welche Werke mit welcher Methode geschaffen wurden. Die Shaded Papers zeigen den Wandel und die veränderte Sichtweise auf die Malerei aufgrund neuer technologischer Möglichkeiten. Zugleich schließen sie den Kreis zur Wandmalerei, die unter Verwendung der gleichen analogen Technik entstanden ist.

Benjamin Bronni (*1985 in Nürtingen, DE) studierte nach einer Ausbildung zum Kraftfahrzeugelektriker an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Birgit Brenner und Andreas Opiolka. 2015/2016 war er Meisterschüler im Weißenhof-Programm der Bildenden Kunst. Die »Frischzelle_25« ist seine erste museale Einzelausstellung. Zur Ausstellung erscheint ein Katalogheft, das in Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden ist.

Quelle / Mehr Infos unter www.kunstmuseum-stuttgart.de

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