Innovationshemmnis: Deutschland fehlen Gründer

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Innovationshemmnis: Deutschland fehlen Gründer

Deutschland investiert – vor allem in die Bereiche Logistik, Forschung und Entwicklung. Mau sieht es hingegen in Sachen Unternehmensgründungen aus. Der Großraum Stuttgart ist zwar führend bei der Anzahl neu angemeldeter Patente, jedoch herrscht besonders hier ein Mangel an neuen, innovativen Start-ups. Die Hürden sind groß – denn wer in Deutschland gründen will, braucht Kapital, Risikobereitschaft und vor allem eines: einen langen Atem.

Entwicklung und Aufbau eines neuen Unternehmens stellen jeden Gründer vor Herausforderungen. Selbstständige haben es in Deutschland aber besonders schwer. Finanzielle Ressourcen sind häufig Mangelware und die gesetzlichen Auflagen kompliziert. Zwar mangelt es nicht an guten Ideen, doch meist fehlt das für die Umsetzung notwendige Kapital. Und die komplizierte Bürokratie macht es Firmengründern zusätzlich schwer.

Bremsen bei der Unternehmensgründung
Wer etwas Neues schaffen möchte, braucht zunächst eine bestimmte Menge an Risikokapital. Davon haben Gründer in den USA und China zwanzigmal mehr zur Verfügung als in Deutschland. Wer mit seiner Geschäftsidee keinen Erfolg hat, gilt hierzulande als gescheitert und wird kaum noch eine zweite Chance bekommen, während ein Misserfolg in anderen Ländern, etwa in den Vereinigten Staaten, eher als wertvolle Erfahrung denn als Totalversagen betrachtet wird.

Fehlender Mut, geringe Risikobereitschaft und die kulturell verankerte Tendenz zu Sicherheit und Stabilität, die den Deutschen gerne nachgesagt wird, tragen ihr Übriges zum mangelnden Gründergeist bei. Vergleicht man die Start-up-Szene Deutschlands etwa mit der Israels – wo sich pro Kopf gerechnet die meisten Start-ups weltweit befinden -, bestätigen sich diese Zusammenhänge.

Zwar kann die deutsche Mentalität auf lange Sicht große und erfolgreiche Unternehmen hervorbringen, allerdings fehlt die nötige “Just do it”-Mentalität, um aus neuen, vielleicht auch verrückten Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Vor allem in Stuttgart haben es neue Unternehmer sehr schwer, sich gegen die erfolgreichen und alteingesessenen Firmen durchzusetzen. Je stärker die Wirtschaftsregion ist, desto geringer ist zudem die Motivation, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Hinzu kommt ein umfangreicher Katalog an juristischen Bestimmungen und steuerlichen Abgaben, mit dem sich Existenzgründer befassen müssen. Wer etwa eine GmbH gründet, muss Einkommen-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer entrichten. Hinzu kommt die Umsatzsteuer, ein oft angeführtes Beispiel für die Komplexität des deutschen Steuersystems. Sie muss regelmäßig zu bestimmten Terminen vorangemeldet werden, was ein weiterer bürokratischer Hemmschuh sein kann.

Viel Vorbereitung nötig
Wer in Deutschland eine GmbH gründen möchte, muss sich zunächst in Geduld üben. Im Schnitt dauert es 45 Tage, bis man offiziell “im Geschäft” ist. Zuvor ist der Besuch von neun verschiedenen Stellen und Ämtern nötig. Zum Vergleich: In Kanada und Australien benötigen Neugründer lediglich zwei bis drei Tage, um die notwendigen Genehmigungen zu erhalten.

Außerdem kommen Unternehmensgründer in spe nicht umhin, sich schon frühzeitig das nötige Know-how für die Selbstständigkeit anzueignen, und zwar unabhängig von Branche und Business. Helfen können Seminare und Workshops, die Grundlagen zu wichtigen Themen wie gewerberechtliche Auflagen und Gewerbeanmeldung vermitteln.

Anschließend gilt es, einen umfangreichen und gut durchdachten Businessplan zu erstellen, mit dem man sich auf die Suche nach möglichen Finanzierungsmodellen begeben kann. Der Plan sollte alles Wichtige rund um die Geschäftsidee enthalten, außerdem Marktanalysen, Risikofaktoren, eine genaue Kalkulation und eine Break-Even-Planung.

Zukunftsmodell Baden-Württemberg?
Innovationsbremse Deutschland? Dagegen will die Bundesregierung vorgehen. Zukünftig sollen bürokratische Hürden abgebaut und Existenzgründer besser unterstützt und gefördert werden. Auch die Landesregierung Baden-Württemberg reagiert und zeigt Weitblick. Seit dem letzten Jahr wird das Fach Wirtschaft landesweit an den Schulen verpflichtend unterrichtet. Das Ziel ist klar: Die Schüler sollen ein besseres Verständnis von Wirtschaftsthemen bekommen und befähigt werden, “sich mit ökonomisch geprägten Lebenssituationen auseinanderzusetzen und wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen”. Ein erster, aber wichtiger Schritt in Richtung Gründungsstandort Deutschland.

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