Im Urlaub mobil unterwegs: So tappen Sie nicht in die Roaming-Falle

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Im Urlaub mobil unterwegs: So tappen Sie nicht in die Roaming-Falle

Stuttgart – Seit gut einem Jahr können Verbraucher dank gebührenfreiem Roaming in der ganzen Europäischen Union surfen, telefonieren und Nachrichten schreiben wie im Netz zu Hause. Ohne zusätzliche Kosten können Urlaubsbilder und Erlebnisse schnell geteilt werden. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Urlauber von hohen Rechnungen überrascht werden. Hannelore Brecht-Kaul von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart gibt Tipps, wie Sie Roaming-Fallen vermeiden können.

Nur Europäische Union
Auch wenn sie mitten in oder am Rande Europas liegen, gilt in der Schweiz und anderen Ländern wie beispielsweise Serbien, Montenegro oder Andorra die Roaming-Verordnung nicht. Die Folge: Die Kosten für mobiles Internet, Anrufe und Nachrichten steigen bei den meisten Mobilfunkanbietern stark an. Vorsicht gilt auch bei Urlaub im Grenzgebiet. „Je nachdem, welches Netz stärker ist, kann es sein, dass sich das Smartphone automatisch in das Schweizer Netz einwählt“, berichtet Hannelore Brecht-Kaul von der Verbraucherzentrale in Stuttgart. Wer nahe der Schweiz Urlaub macht, sollte bei den Einstellungen daher nicht die automatische, sondern die manuelle Netzwahl aktivieren. Auch wer bei der Autofahrt per Handy navigiert und die Schweiz durchquert, kann von unerwarteten Kosten überrascht werden. „Besser ist es daher, Offline-Karten zu nutzen oder – falls möglich – sich per GPS und nicht über mobile Daten lotsen zu lassen“, rät Brecht-Kaul.

Teure Bootsfahrt
Auch wenn bei der Mittelmeerkreuzfahrt die spanische und italienische Küste nah ist: Mobile Datennutzung auf Kreuzfahrtschiffen und Ausflugsbooten ist eine häufige Falle für teure Handyrechnungen. Der Grund: der Empfang auf See läuft nicht über das normale Mobilfunknetz, sondern über Satellit im sogenannten GSM-Netz. „Für diese Verbindungen gilt die Roaming-Verordnung nicht“, warnt Hannelore Brecht-Kaul, „wer vom Schiff aus Bilder verschickt, telefoniert oder einfach nur online ist, kann schnell eine Rechnung über 1000 Euro erreichen.“ Hinzu kommt, dass das GSM-Netz in der Regel langsamer und störungsanfälliger ist. Verbraucher sollten vor der Reise bei Ihrem Mobilfunkanbieter oder der Reederei nachfragen, welcher Satellitennetzbetreiber das Schiff versorgt. Denn um das Netz überhaupt nutzen zu dürfen, muss der eigene Netzbetreiber wegen der späteren Abrechnung ein Roaming-Abkommen mit dem jeweiligen Satellitennetzbetreiber abgeschlossen haben. Die Preise schwanken stark: Für ein Megabyte Datennutzung können bis zu 30 Euro anfallen, bei Telefonaten liegen die Minutenpreise zwischen drei und sieben Euro, auch für eingehende Anrufe.

Manche Schiffe bieten ihren Gästen gegen Aufpreis bordeigenes WLAN an. Brecht-Kaul rät Verbrauchern sich vorab beim Reiseanbieter zu informieren. Außerdem sollten Verbraucher schon in der Hafengegend die automatische Netzwahl deaktivieren, denn auch wer am Kai an Schiffen vorbeiläuft, kann sich versehentlich in ein Satellitennetz einwählen.

Urlaub geniessen

Begrenztes Datenvolumen
Auch wenn Sie zu Hause ohne Begrenzung surfen können, haben Sie diese Möglichkeit im europäischen Ausland nicht automatisch. Gerade bei günstigen Tarifen setzen manche Anbieter ein Fair-Use Limit für die Datennutzung an. Nutzen Sie das mobile Internet über ein vorgegebenes Datenvolumen hinaus, können Kosten drohen, bis zu 7,70 Euro pro Gigabyte. „In diesem Fall muss der Anbieter Sie mit einer Nachricht warnen, wenn Sie Ihr Datenvolumen zu 80 Prozent verbraucht haben“, sagt Brecht-Kaul.

Rechnung trotzdem zu hoch?
„Wenn Sie Zweifel haben, dass die Rechnung korrekt ist, können Sie innerhalb von acht Wochen widersprechen. Um die strittigen Posten zu überprüfen, sollten Sie neben einem Nachweis über alle Einzelverbindungen auch das Ergebnis der technischen Prüfung anfordern“, rät die Expertin. Verbraucher können bei strittigen Rechnungen bereits per Lastschrift gezahlte Beträge zurückbuchen und nur die unstrittigen Posten überweisen. In diesem Fall sollten Kunden den Anbieter darauf hinweisen, dass sie die normalen Beiträge bezahlen, den Rest aber bestreiten und dies auch begründen.

Ob ein Widerspruch letztendlich Erfolg hat, hängt vom Einzelfall ab. Betroffene können sich dazu bei ihrer Verbraucherzentrale vor Ort beraten lassen.

Quelle: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e. V., Internet: www.vz-bw.de

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