El Silbo – Pfeifkonzert auf La Gomera

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El Silbo – Pfeifkonzert auf La Gomera

Ganz schön pfiffig: Die Pfeifsprache Silbo gomero macht es möglich, sich ganz ohne Telefon über eine Entfernung von bis zu vier Kilometern zu unterhalten. Denn wenn Rufe schon längst nicht mehr den Empfänger erreichen, können durch die spezielle Pfeiftechnik Informationen über die tiefen Schluchten der Kanarischen Insel hinweg übermittelt werden. Die jahrhundertealte gepfiffene Sprache ist Pflichtfach in La Gomeras Schulen und zählt zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Frankfurt – Wandern zählt zu den beliebtesten touristischen Aktivitäten auf La Gomera – und wer Glück hat, bekommt dabei eine ganz besondere Geräuschkulisse aus melodischen Pfiffen zu Ohren. Noch heute beherrschen viele Gomeros die Pfeifsprache El Silbo, genutzt wird sie in erster Linie in den Bergen und ruhigen Tälern der Insel. In Städten und Ortschaften ist es zu laut, um sich durch Pfiffe zu verständigen. In der Natur jedoch kann der Pfiff kilometerweit gehört werden – die Entfernung ist abhängig von den Wetterverhältnissen, dem Ort und den Fähigkeiten des Pfeifers. So konnten in Zeiten ohne Telefon und Internet durch das Pfeifen Nachrichten auf der Insel übermittelt werden.

El Silbo. Foto © Cabildo de La Gomera


Wie lange El Silbo auf La Gomera bereits gepfiffen wird, ist nicht nachgewiesen. Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde die Sprache im 15. Jahrhundert, fest steht jedoch, dass sie bereits früher von den ersten Bewohnern der Kanarischen Inseln, den Guanchen, verwendet wurde. Deren Sprache bildete ursprünglich die Basis des Silbo – seit der Eroberung La Gomeras durch das kastilische Königreich im 16. Jahrhundert imitieren die Pfiffe die Laute des Spanischen.

Dabei funktioniert El Silbo ähnlich wie lautes Rufen, auch hier wird eine Hand wie ein Trichter an den Mund gelegt. Die Betonung liegt auf den Vokalen und insbesondere der letzte Vokal wird in die Länge gezogen. Tonhöhe, Lautstärke und Frequenz sind die drei grundlegenden Eigenschaften der Pfeifsprache. Wiedergegeben werden können vier Konsonanten (k, y, g, ch) und und vier Vokale (a, e, i, o). Die Grammatik entspricht dabei nicht der Ausgangssprache, sondern ist stark vereinfacht. So fallen bei El Silbo verschiedene im Spanischen gebräuchliche Vergangenheitsformen weg.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Pfeifsprache auf La Gomera weit verbreitet. Durch die Einführung des Telefons begannen die Pfiffe jedoch, in Vergessenheit zu geraten – bis die Lokalregierung sich in den 1980er Jahren dafür einsetzte, den Silbo wiederzubeleben, und dessen historische Bedeutung hervorhob. Seit 1999 wird El Silbo als einzige Pfeifsprache weltweit an den Schulen der Insel als Pflichtfach unterrichtet, 2009 erklärte die UNESCO sie zum Weltkulturerbe. Für die Bewohner La Gomeras gilt El Silbo als Identitätsmerkmal. Durch die Wiederbelebung der Sprache nutzen heute nicht nur ältere Inselbewohner das Pfeifen – der Schulunterricht lässt eine neue Generation von jungen Silbo-Pfeifern heranwachsen. Eine aktuell laufende Zählung soll Aufschluss darüber bringen, wie viele Bewohner La Gomeras den Silbo beherrschen.

Am 30. September jeden Jahres feiern die Gomeros die Ernennung der Pfeifsprache zum Weltkulturerbe mit Ausstellungen und Wettbewerben, an denen auch Touristen teilnehmen können. La Gomera-Besucher können das Pfeifkonzert zudem bei einem der vielen lokalen Feste erleben – einen umfassenden Veranstaltungskalender gibt es auf www.lagomera.travel. Zudem kann man sich die gomerischen Pfiffe hier anhören. Anlässlich des Tages der Kanarischen Inseln am 30. Mai hat der Inselrat La Gomeras zudem am 26. Mai die zehnte Ausgabe des Concurso Insular de Silbo Gomero, einen inselweiten Silbo-Wettkampf, veranstaltet, der alljährlich öffentlich auf der Plaza de Las Américas in San Sebastián ausgetragen wird. Der stolze Gewinner durfte sich über einen Geldpreis über 1.500 Euro freuen.

Weitere Informationen gibt es auf http://lagomera.travel/de.

Über La Gomera: Die Kanarische Insel La Gomera liegt rund 40 Kilometer westlich von Teneriffa und ist mit 378 Quadratkilometern die zweitkleinste der Kanarischen Inseln. Neben ganzjährig mildem Klima, bietet die Vulkaninsel eine raue ursprüngliche Landschaft mit einer Vielzahl an Schluchten, kleinen versteckten Naturstränden und charmanten Fischerdörfern. Besonders beliebt ist die grüne Insel bei Naturliebhabern, Wanderern und Fahrradfahrern, aber auch Familien und Kulturinteressierte werden auf La Gomera fündig. Mehr als 30 Prozent der Insel stehen unter Naturschutz, besonders bemerkenswert ist die Pflanzenvielfalt auf La Gomera: Hier gedeihen mehr als 700 Pflanzenarten, rund 30 Arten wachsen ausschließlich auf der Insel. Die UNESCO ernannte das Naturschutzgebiet des Garajonay Nationalparks und seine ursprünglichen Lorbeerwälder 1986 zum Weltnaturerbe, 2012 erhielt die Insel in ihrer Gesamtheit die Auszeichnung als Biosphärenreservat. Die indigene Pfeifsprache „El Silbo Gomero“ (Spanisch silbo für Pfiff) ist einzigartig für La Gomera und wird auch heute noch von rund 22.000 Einwohnern angewandt. 2009 wurde die Sprache von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt und ist mittlerweile Pflichtfach an allen Schulen der Insel.

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