Reinhold Nägele im Kunstmuseum Stuttgart

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REINHOLD NÄGELE. Chronist der Moderne

27. Januar – 3. Juni 2018

Reinhold Nägele gilt als bedeutender Beobachter zeitgeschichtlicher Ereignisse sowie technischer und städtebaulicher Veränderungen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung »Reinhold Nägele. Chronist der Moderne« im Kunstmuseum Stuttgart rückt mit einer Auswahl von rund 90 Gemälden, Radierungen und Hinterglasmalereien der 1910er- bis 1930er-Jahre insbesondere die Stadt Stuttgart und die Region in den Fokus.

Das Kunstmuseum Stuttgart besitzt mit 116 Werken einen der umfangreichsten öffentlichen Bestände des Künstlers Reinhold Nägele (Murrhardt 1884 – 1972 Stuttgart). Bereits früh erwarb die Stadt Stuttgart seine Arbeiten. So wurde das Gemälde Abbrucharbeiten am Stuttgarter Bahnhof (1924) schon 1925 in die Sammlung aufgenommen und zählt damit zu den ersten Kunstankäufen der Stadt überhaupt. In den Jahren 1969, 1974 und 1984 präsentierte die Galerie der Stadt Stuttgart, die Vorgängerinstitution des Kunstmuseum Stuttgart, bereits Werkschauen zu Reinhold Nägele. 34 Jahre später widmet das Kunstmuseum Stuttgart dem Maler und Grafiker erneut eine Einzelausstellung – zu einem günstigen Zeitpunkt: Das Werk von Nägele wird derzeit von vielen Museen im Kontext der Kunst der 1920er-Jahre neu bewertet. Der eigene Sammlungsbestand wird für die Ausstellung um wichtige Leihgaben ergänzt. Im Zuge der Recherchen konnten auch einige Neuentdeckungen in Privatbesitz gemacht werden, die bislang nicht im Werkverzeichnis zu Nägele aufgeführt und erstmals öffentlich zu sehen sind.

Reinhold Nägeles künstlerischer Stil ist sehr facettenreich. Sein sachlich-erzählerischer Stil mit oftmals minutiöser und humorvoller Detailschilderung ist aber unverwechselbar. Außerordentlich vielfältig ist auch sein Werk, das Selbstbildnisse, Porträts, Stillleben, Akt- und Landschaftsdarstellungen, ungegenständlich anmutende Bilder sowie surreal-fantastische Szenerien umfasst. In vielen seiner Werke erweist sich Nägele als Chronist des modernen Lebens, das er in seiner zu dieser Zeit rasch fortschreitenden Veränderung präzise dokumentiert.

Reinhold Nägele, Abbrucharbeiten am alten Stuttgarter Bahnhof, 1924, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Der Künstler war zeitlebens eng mit der Stadt Stuttgart verbunden. Nägele empfand Stuttgart als eine aufstrebende, sich der Moderne öffnende Stadt. Besonderes Interesse brachte er der gegenwärtigen Architektur entgegen. So hielt er in seinen Gemälden und Radierungen etwa die Bauarbeiten des Tagblattturms von Ernst Otto Oßwald (Neubau des Tagblattturms, 1930) und des Mittnachtbaus von Ludwig Eisenlohr und Oscar Pfennig (Stuttgart, Baustelle des Mittnachtbaus Königstraße, 1926) fest, sowie den Stuttgarter Hauptbahnhof von Paul Bonatz (Stuttgarter Bahnhofsplatz, 1926). Stehen in diesen und anderen Werke die Architekturen im Vordergrund, so wird von Nägele aber auch sehr anschaulich die Einpassung der zum Teil noch im Entstehen begriffenen Baukörper ins Stadtbild oder deren dynamische Verbindung mit den Stadtbewohnern und den Verkehrsströmen von Straßenbahn und Auto geschildert.

Die Ausstellung gliedert sich in sechs Themenräume. Den Auftakt bilden Reinhold Nägeles Architektur- und Stadtansichten. Im zweiten Raum führt eine Auswahl von Landschaftsdarstellungen Nägeles Beschäftigung mit den Symbolen technisierten Lebens wie Gleisen, Signal- und Oberleitungsanlagen vor Augen, die seit der Industrialisierung auch – und dort besonders auffallend – den ländlichen Raum prägen. Schwerpunkt des dritten Raums bilden Nägeles aufmerksame und humorvoll sezierende Beobachtungen des zeitgenössischen Ausstellungsbetriebs. Dieser konkretisierte sich ab den 1920er-Jahren vor allem in der Stuttgarter Sezession, die sich aus Opposition gegenüber dem Ausstellerverband Künstlerbund Stuttgart bildete. Neben Heinrich Altherr und Bernhard Pankok gehörte Nägele zu den Mitbegründern dieser Sezession.

Das ausgelassene Treiben der Menschenmengen und die Buntheit der beleuchteten Stände und Schaubuden auf dem Cannstatter Wasen inspirierten Nägele zu einer Reihe von Gemälden, die im nächsten Kabinett gezeigt werden. Zum Gegenstand dort wird auch Nägeles Faszination für die exotisch-fantastische, verspielte Artistenwelt, die in einem Kontrast zum Alltag steht. Im fünften Raum werden sogenannte »politische Ereignisbilder« präsentiert, die zeitgeschichtliche und politische Veränderungen zum Thema haben – angefangen bei einem Kommentar zum Ersten Weltkrieg über Sinnbilder zu den revolutionären Unruhen von 1918/19 bis hin zu Darstellungen kulturpolitischer Ereignisse im Nationalsozialismus. Schließlich widmet sich der letzte Raum anhand von Radierungen und Fotografien dem privaten und familiären Umfeld Nägeles.

Mehr Infos unter www.kunstmuseum-stuttgart.de

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