34. Französische Filmtage Tübingen und Stuttgart vom 1. bis 8. November 2017

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34. Französische Filmtage Tübingen | Stuttgart
1. bis 8. November 2017

Die Französischen Filmtage haben seit 1997 eine Dépendance in Stuttgart. Wir sind dort bei Peter Erasmus im wunderschönen Kino Delphi zu Gast und zeigen eine Woche lang frankophones Kino für alle Frankreichliebhaberinnen, Französischlehrer und Expats. Dazu bieten wir ein umfangreiches Rahmenprogramm, feiern eine stilvolle Eröffnung und verleihen drei wichtige Filmpreise: den Stuttgarter Drehbuchpreis, den Stuttgarter Publikumspreis und den Preis der Jugendjury Stuttgart.

Die Filme in Stuttgart
Filme aus der ganzen französischsprachigen Welt und in diesem Jahr besonders viele aus Quebec, Filme von jungen und unkonventionellen Filmemacherinnen, Filme zum Nachdenken und Diskutieren, Filme zum Lachen und Filme für die ganz großen Gefühle – die Französischen Filmtage präsentieren in Stuttgart die ganze Bandbreite des frankophonen Films und ein beachtliches Staraufgebot. Der subtile Thriller „La mécanique de l’ombre“ von Thomas Kruithof mit François Cluzet oder die romantische Komödie „Un beau soleil intérieur“ von Claire Denis mit Juliette Binoche, Gérard Depardieu und anderen „monstres sacrés“ des französischen Films bringen eine Menge Glamour auf die Stuttgarter Leinwände. Auffällig ist in diesem Jahr: bei aller Vielfalt, die das frankophone Kino zu bieten hat, sind es vor allem Jugendliche, die im Mittelpunkt cineastischen Interesses stehen: der Junge aus der Pariser Banlieue, der von seinem Vater zu seiner Familie nach Burkina Faso geschickt wird in „Wallay“, das erblindende Mädchen in „Ava“, die jungen Klippenspringer in „Corniche Kennedy“ – allesamt großartige Coming-of-age-Filme oder cineastische Bildungsromane.

Der Eröffnungsfilm im Delphi
In Stuttgart eröffnen wir die Französischen Filmtage mit einer politischen Komödie der iranischen Filmemacherin Sou Abadie: „Cherchez la femme“ wurde in Frankreich als polemischster Film des Jahres angekündigt, ist aber vor allem: humorvoll, warmherzig, nachdenklich, intelligent. Das Studentenpärchen Leïla und Armand sieht sich plötzlich mit den islamistischen Ideen von Leïlas Bruder Mahmoud konfrontiert, der mit Vollbart und missionarischem Furor von einem längeren Aufenthalt im Jemen zurückkehrt. Um seine Liebste sehen zu können, verkleidet sich Armand in die vollverschleierte „Sheherazade“. Eine politisch aktuelle „Tootsie“-Neuauflage, in der der Niqab mit einem Wurfzelt verglichen wird. Darf man über ein so ernstes, kontroverses Thema überhaupt lachen? Sou Abadie zeigt, dass das durchaus möglich ist und räumt gleich noch mit einer Menge Klischees über die Banlieues und das Pariser Großbürgertum auf.

Cinéconcert im Literaturhaus Stuttgart
Am 4. November um 20.00 zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem Institut Français im Literaturhaus Stuttgart den Stummfilm “Au bonheur des dames” von Julien Duvivier von 1930. Der Film verlegt den gleichnamigen Roman von Emile Zola in die Goldenen Zwanziger. Ein junges Waisenmädchen kommt nach Paris, um dort in einem der neu entstehenden großen Kaufhäuser die große Liebe und den großen Erfolg zu finden. „Au bonheur des dames“ ist eine Hymne auf den Fortschritt, auf den Glauben an die eigene Zukunft und auf die Liebe.

Logo © Veranstalter

Die Musik zum Film macht Jean-Yves Leloup von RadioMentale, der dem Stuttgarter Filmtagepublikum schon durch seine kongeniale musikalische Interpretation des Klassikers „Sunrise“ von Friedrich Wilhelm Murnau bestens bekannt ist. Wir freuen uns sehr darauf, ihn wieder zu hören.
Der DJ und Komponist mischt Einflüsse aus der Elektro- und Popmusik, lässt sich von Klassik, Originalfilmmusik und Jazz inspirieren und knüpft an experimentelle und avantgardistische Tradition an. Damit schafft er für jeden Film einen einmaligen Soundtrack, der im Dienst der Erzählung und seiner Protagonisten steht.

Film und Literatur im Haus der Geschichte
Die Verbindung von Film und Literatur ist ein Schwerpunkt des diesjährigen Filmtageprogramms. In diesem Jahr arbeiten wir mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg und dem Institut Français zusammen und zeigen drei Verfilmungen von Romanen von Pierre Véry. Pierre Véry war in den 30er-Jahren ein gefeierter Romancier und Drehbuchautor. Er schrieb unzählige Abenteuer-, Jugend- und Kriminalromane. „Romans de mystères“ voller Wunder, Grusel und Geheimnis, mit denen er seine Leserinnen und Leser begeisterte.

Die Romanadaptation des Weihnachtskrimis „L’assassinat du Père Noël“ gehörte zu den Filmen, die von der deutschen Produktionsgesellschaft Continental und ihrem Chef Alfred Greven im von den Nationalsozialisten besetzten Frankreich produziert worden war. Eigentlich hatte Joseph Goebbels seichte Propagandastreifen für das französische Kinopublikum vorgesehen, aber Alfred Greven hatte den Ehrgeiz, cineastische Spitzenprodukte herauszubringen – was ihm auch gelang.

Außer “L’assassinat du Père Noël” zeigen wir “Goupi Mains Rouges” und “Les disparus de Saint-Agil”. Noël Véry, der Sohn von Pierre Véry, hat die Filme seines Vaters aufwändig restaurieren und digitalisieren lassen. Im Haus der Geschichte wird er mit dem französischen Generalkonsul in Stuttgart Nicolas Eybalin – der selber ein echter Filmkenner ist – über die Filme seines Vaters und die deutsch-französische Filmszene während des Nationalsozialismus diskutieren: am Sonntag, 5. November 2017 (Film “L’assassinat du Père Noël” um 15.30, Gespräch anschließend, also ca. 17.00)

Afrika im Delphi
Am Sonntagnachmittag findet auch unser schon traditioneller Afrikatag im Delphi statt. Die Französischen Filmtage und das Forum Afrikanum Stuttgart laden dazu ein. Es werden drei Filme aus der Reihe “Fokus Afrika” gezeigt, unter anderen „Félicité“ von Alain Gomis. Der Film erzählt die Geschichte einer kongolesischen Sängerin, die um das Leben ihres Sohnes kämpft und hat auf der Berlinale 2017 den Großen Preis der Jury und auf der FESPACO den Étalon d’or erhalten. Im Foyer gibt es dazu afrikanische Häppchen und Musik – der Nachmittag ist schon lange ein sympathischer Treffpunkt für die afrikanische Community in und um Stuttgart.

Der Sinn des Lebens im Lindenmuseum
In Kooperation mit dem Lindenmuseum Stuttgart und dem Institut Français zeigen wir in der Museumsreihe “Mit großen Erzählungen um die Welt” den Film “En quête de sens” von Nathanaël Coste und Marc de la Ménardière: Die Geschichte einer Weltreise, auf der die beiden Regisseure Aktivisten, Philosophen, Biologen und Hüter von kulturellen Traditionen interviewt haben. Sie laden uns ein, unsere Sichtweise zu erweitern und unsere Vorstellungen, Werte und Weltsichten zu hinterfragen. Der Film, der erstmals in Stuttgart gezeigt wird, wurde mit mehreren Filmpreisen ausgezeichnet. Im Anschluss an den Film wird Odile Néri-Kaiser von Ars Narrandi e.V. ein Gespräch mit Nathanaël Coste führen. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 7. November um 19.30 im Lindenmuseum Stuttgart statt.

Alle Infos unter www.filmtage-tuebingen.de

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