Kunststoff für die Zukunft

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Kunststoff für die Zukunft

Die Ensinger GmbH mit Hauptsitz in Nufringen stellt technische Teile aus Kunststoff her. In der Anfangszeit noch stark auf den Maschinenbau ausgerichtet, hat das Unternehmen im Lauf seiner Geschichte immer wieder neue Geschäftsfelder gefunden.

Ein Raum mit Schaukästen voller unterschiedlicher Gegenstände: Neben Teilen für Medizintechnik wie Handgriffen für OP-Scheren oder Instrumenten für die Zahntechnik liegen Dichtungsringe und andere Bauteile für Maschinen hinter Glas ausgestellt. Was auf den ersten Blick wild zusammengewürfelt erscheint, hat eine große Gemeinsamkeit: Die Teile wurden aus Kunststoff hergestellt – und zwar im Spritzgussverfahren. Das bedeutet, dass aufgeschmolzener Kunststoff mithilfe von speziellen Maschinen in eine bestimmte Form gepresst wird.
Gefertigt wurden alle Teile von der Ensinger GmbH, die im Stammwerk in Nufringen und in einer Spritzgussfabrik in Rottenburg-Ergenzingen entwickelt und produziert. Das Unternehmen stellt technische Teile für Maschinen, Kunststoffstäbe und -platten, Profile und Verbundstoffe her, also Stoffe, die aus mindestens zwei unterschiedlichen Materialien bestehen. Alle Produkte bestehen aus Hochleistungskunststoffen. Die Vorteile dieser Werkstoffe sind vielfältig: So halten die Hochleistungskunststoffe beispielsweise besonders hohen Temperaturen stand und können sehr leicht bearbeitet werden, was sie in vielen Bereichen einsetzbar macht. Die Produkte von Ensinger sind in fast allen wichtigen Industriebranchen zu finden, im Maschinen- und Fahrzeugbau, in der Medizintechnik oder in der Luftfahrt. „Die von uns gefertigten Produkte finden sich in allen Bereichen der Industrie, in denen Langlebigkeit gefragt ist.“, sagt Oliver Stiegen, Leiter des Geschäftsbereichs Spritzgusstechnik bei Ensinger.

Foto: Ensinger GmbH

Immer wieder neue Geschäftsfelder erschließen
Die Geschichte von Ensinger fing in einer Garage bei Böblingen an. Dort begann Firmengründer Wilfried Ensinger 1966 sich mit Kunststoffen zu beschäftigen: Auf selbst konstruierten Maschinen entwickelte er neue Verfahren, um den Kunststoff in bestimmte Formen pressen und daraus beispielsweise Teile für Maschinen fertigen zu können. In den 1970ern wurde das Angebot erweitert und das Unternehmen begann mit der Herstellung von Maschinenelementen aus Kunststoff durch sogenannte Zerspanung. Hierbei wird überschüssiges Material maschinell abgetragen, wodurch das Bauteil eine neue Form bekommt. Ende der 1970er Jahre kam die Wärmedämmung hinzu – Ensinger fertigte nun auch Kunststoffe für die Isolierung von Aluminiumfenstern und Fassaden. 1985 begann Ensinger dann Kunststoffteile im Spritzgussverfahren herzustellen.
Da die Automobilbranche in den Anfangsjahren der größte Kunde war, lag der Fokus des Unternehmens zunächst vor allem auf Kunststoffteilen aus dem Getriebe- und Antriebssektor. Für spezielle Maschinen stellt Ensinger z.B. Gleitschienen her, die so optimiert sind, dass sie weniger Abrieb und dadurch auch weniger Verschleiß zeigen als herkömmliche Schienen aus Metall. Mit der Zeit spielten dann neue Bereiche eine immer größere Rolle. Zum Einsatz kommen die Ensinger-Teile mittlerweile z.B. auch in der Raumfahrt oder der Energiebranche. Auch für die Innenausstattung und die Fahrwerke von Flugzeugen stellt Ensinger Teile her, in Satelliten werden Ensinger-Kunststoffteile für Sonnensegel und Kabelisolierungen verwendet. Auch auf Bohrinseln und in Windkraftanlagen kommen die Kunststoffteile von Ensinger in Form von Dichtungen, Ventilen, Sicherungsringen und Zahnrädern zum Einsatz. In der jüngsten Vergangenheit hat die Fertigung für die Halbleiterindustrie einen großen Stellenwert eingenommen. „Unser Verfahren ist günstiger als die traditionell in der Halbleiterfertigung eingesetzten Silizium-Scheiben. Zudem lassen sich die Spritzgussteile leichter verarbeiten“, erklärt Stiegen. Auch neue Antriebsarten spielen bei Ensinger eine Rolle. So finden sich viele Teile von Ensinger beispielsweise in Elektromotoren: „Unsere Bauteile tragen durch eine spezielle Materialkombination dazu bei, die Reichweite von Elektrofahrzeugen zu erhöhen“, so Stiegen. Heute gilt Ensinger als einer der führenden Anbieter auf dem Gebiet der Kunststoffverarbeitung. „Durch die andauernde Erweiterung unserer Produkt-Auswahl haben wir uns von einem Kleinbetrieb zu einem echten Global Player entwickelt.“

Hightech-Material Kunststoff
„Man kann sagen, dass moderne Kunststoffe zu den Hightech-Material gehören.“, sagt Stiegen. „In der Spritzguss-Sparte setzen wir sogenannte Hochleistungskunststoffe ein, die mit Hilfsstoffen aufgewertete werden. Diese Hilfsstoffe können Kohlefasern, Glasfasern oder andere Materialien sein, die die Festigkeit der Bauteile erhöhen. Dadurch lassen sich herkömmliche Bauteile aus Metall und Keramik ersetzen.“
Das Material, mit dem bei Ensinger alle Produkte gefertigt werden, ist nicht nur vielseitig einsetzbar, es ist auch nachhaltig: „Technische Kunststoffe tragen dazu bei, Gewicht und somit auch oft Treibstoff zu sparen, den Einsatz von Schmierölen und -fetten und den Pflegeaufwand zu reduzieren“, erklärt Stiegen. „Dadurch vermindern diese Kunststoffe den ökologischen Fußabdruck der Komponenten, in denen sie zum Einsatz kommen.“ Zudem bemüht sich Ensinger, überschüssiges Material, das bei der Herstellung von Einzelteilen anfällt, wiederzuverwenden. „Ausschuss und Produktionsreste schmelzen wir zu großen Teilen selbst wieder ein und verwenden den Werkstoff erneut. Was wir nicht brauchen können, verkaufen wir an andere Firmen, die das Kunststoffmaterial wiederverwerten.“

Weltweit gefragtes Familienunternehmen
Heute kümmern sich 2.600 Mitarbeitende an 33 Standorten in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und in den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb um die Produkte aus Kunststoff. „Für uns bedeutet die Region Stuttgart ganz klar Heimat. Hier wurde das Unternehmen gegründet, hier sind wir seit über 50 Jahren gerne und wollen auch bleiben“, sagt Stiegen und fügt hinzu: „Hier sind viele Kunden und Geschäftspartner, hier finden wir Talente und hochqualifizierte Fachkräfte. Es gibt viele Universitäten und Forschungseinrichtungen. Die Belegschaft fühlt sich hier wohl, weil es einfach ein qualitativ hochwertiges Leben ist.“ Dabei würde auch der Umstand eine Rolle spielen, dass Ensinger trotz der internationalen Expansion ein Familienunternehmen geblieben sei, so Stiegen: „Unsere Führungskräfte und Teams arbeiten partnerschaftlich zusammen, auch mit unseren Kunden und Lieferanten, weil wir untereinander einen offenen und familiären Umgang pflegen.“

Quelle / Infos:
Simone Ruoffner-Unterrainer
Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH

ensingerplastics.com/de

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