Zum Welttag des Buches: Einzigartige Klosterbibliotheken in Wiblingen, Ochsenhausen und Hirsau

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Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Zum Welttag des Buches: Einzigartige Klosterbibliotheken in Wiblingen, Ochsenhausen und Hirsau

Heute sind Bücher für alle erschwinglich und überall stehen Bibliotheken für alle Menschen offen. Doch jahrhundertelang war das anders: Klöster waren Inseln der Gelehrsamkeit in einer bücherlosen Welt – und ihre Buchbestände kostbare Schätze. Der 23. April ist der Welttag des Buches. Dies nehmen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg zum Anlass, der Büchertradition in den ehemaligen Klöstern des Landes nachzuspüren.

KLOSTER WIBLINGEN: EIN ZENTRUM DER BUCHKUNST
Kloster Wiblingen bei Ulm war reich und mächtig, ein Ort der Bücher und der Bildung. Im späten Mittelalter besaß das Kloster eine eigene blühende Schreibwerkstatt. Spezialisierte Künstler und Fachleute schrieben hier in mühevoller Handarbeit Bücher – Zeile für Zeile. Für ihre kostbare Schriftensammlung gestalteten die Mönche im 18. Jahrhundert einen besonderen Raum: Der berühmte Bibliothekssaal von Kloster Wiblingen, einer der beeindruckendsten Säle Oberschwabens, entstand zwischen 1740 und 1750. Er ist ein Meisterwerk der Architektur, der Skulptur und Malerei des Rokoko. Das detailreiche Fresko des berühmten Malers Franz Martin Kuen beeindruckt noch immer. Im Mittelpunkt des Gemäldes steht eine von Engeln umgebene Frauengestalt: die göttliche Weisheit, die über allem herrscht. In ihrer Blütezeit umfasste die Bibliothek etwa 15.000 Bände – mehr als manche zeitgenössische Universitätsbibliothek. Die kostbaren Bücher wurden aufgrund der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus Wiblingen fortgebracht. Die einzigartige Atmosphäre des Saals hat sich jedoch erhalten. Und ist noch immer spürbar.

GÖTTLICHE WEISHEIT IN KLOSTER OCHSENHAUSEN
Kloster Ochsenhausen war ein Ort des Glaubens, des Lernens und der Wissenschaft. Besonders deutlich wird das im Bibliothekssaal: Er ist ein Festsaal für Bücher. 1783 wurde der Raum im Stil des Klassizismus ausgestattet. Durch die Helligkeit aus vielen Fenstern und die weiße Fassung ergibt sich ein lichter, etwas kühler Raumeindruck. Mit der plastischen Ausgestaltung des Raumes beauftragte Abt Romuald Weltin Stuckateure der Wessobrunner Schule. Die vier Standfiguren antiker Gottheiten und einer Muse fordern den Bibliotheksbesucher auf, sich durch wissenschaftliches Streben, geistige Auseinandersetzung, Kenntnis und Wissen zu bilden. Der Stuck an der Empore weist auf das in der Bibliothek versammelte Wissen hin. Das illusionistische Deckenfresko zeigt im Zentrum den Ordensgründer Benedikt von Nursia vor Maria, die hier als Sitzfigur – „Sitz der Weisheit“ – dargestellt ist. Dieses Motiv verdeutlicht: Die göttliche Weisheit ist dem weltlichen Wissen, dargestellt durch die Skulpturen, stets übergeordnet ist. Von den einst 60.000 handgeschriebenen und gedruckten Büchern blieb nach der Säkularisation nur noch ein kleiner Bruchteil vor Ort erhalten.

KLOSTER HIRSAU: MITTELALTERLICHE BUCHSCHRÄNKE
Kloster Hirsau im Nordschwarzwald präsentiert rund 1000 Jahre Geschichte in Südwestdeutschland: Einst spielte die weitläufige Abtei im Investiturstreit zwischen Papst und Kaiser eine herausragende Rolle. Hirsau war ein geistiges Zentrum, das über den Schwarzwald hinaus strahlte. Im 17. Jahrhundert wurde das Kloster zerstört. Die zerborstenen Mauern zeigen noch immer die einstige Größe und Bedeutung. Die Marienkapelle ist eines der wenigen Gebäude, das die Zerstörung unversehrt überstand. Im Obergeschoss des zweistöckigen Gebäudes befand sich die Bibliothek des Klosters. Die wertvollen Handschriften und Drucke lagerten in verschließbaren Holzschränken, die im frühen 16. Jahrhundert angeschafft worden waren. Die Schmuckstücke aus der Zeit der Spätgotik sind mit kunstvollen Schnitzereien versehen. Da sich solche Buchschränke nur selten erhalten haben, gelten sie heute als absolute Rarität und stehen seit 2008 nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder an ihrem ursprünglichen Platz.

WELTWEITES LESEFEST
Seit 1995 findet jedes Jahr am 23. April der „Welttag des Buches“ statt. Mit dem weltweiten Aktionstag feiern die UNESCO das Lesen, Bücher und die Rechte der Autoren. Die UN-Organisation für Kultur und Bildung ließ sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Deutschlandweit finden seit 1996 zahlreiche Veranstaltungen und Lesungen statt, organisiert von Buchhandlungen, Verlagen, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterten.

Quelle / Mehr Infos unter
Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
www.schloesser-und-gaerten.de

www.kloster-wiblingen.de
www.kloster-ochsenhausen.de
www.klosterhirsau.de

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