Die Autowäsche: Mercedes-Benz Museum Inside Nr. 20/2020

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Die Autowäsche: Mercedes-Benz Museum Inside Nr. 20/2020

Stuttgart – 160 Fahrzeuge und insgesamt 1.500 Exponate präsentiert die vielfältige Dauerausstellung des Mercedes-Benz Museums. Ein besonderer Bestandteil sind die „33 Extras“: Sie lassen am Beispiel oft überraschender Details Mobilitätshistorie und Automobilkultur lebendig werden. Die Newsletter-Reihe Mercedes-Benz Museum Inside lenkt den Blick auf die „33 Extras“ und bringt ihre Geschichten auf den Punkt. In der heutigen Folge geht es um die Autowäsche und ihre Technik.

20/33: Die Autowäsche
Sauberer Auftritt: Wer sein Auto schätzt, der fährt es nicht nur, sondern pflegt es auch – die Karosserie genauso wie das Interieur. Für Autowäsche und -reinigung stehen zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung. Dazu gehört auch der „plumeau spécial pour automobiles“, eins der „33 Extras“ in der Dauerausstellung des Mercedes-Benz Museums. Dieser Wedel aus Straußenfedern entfernt schon Anfang des 20. Jahrhunderts Staub auf sanfte Weise. Der legt sich damals während der Fahrt über die meist unbefestigten Straßen auf den Lack. Ein praktisches Detail: Der Holzstiel lässt sich auseinanderschrauben, um das Utensil platzsparend in einer Papprolle verstauen zu können.

Ritual: Gegen hartnäckigen Schmutz hilft die Autowäsche mit Schwamm und Wasser. Sie entwickelt sich in der Bundesrepublik Deutschland vor allem in den 1960er-Jahren zu einem echten Ritual. Denn seit dem „Wirtschaftswunder“ der 1950er-Jahre können sich immer mehr Menschen den Traum vom eigenen Automobil erfüllen. So verändert sich nicht nur die individuelle Mobilität, sondern man ist auch stolz auf den neuen Besitz. Am Samstagnachmittag wird der Wagen sorgfältig von Hand gewaschen und auf Hochglanz poliert. Das Ritual wird perfekt, wenn noch dazu eine Fußballreportage im Autoradio läuft.

Prinzip Fließband: In den Vereinigten Staaten von Amerika beginnt die Massenmotorisierung früher als in Europa. Hier entstehen auch die ersten Autowaschstraßen. Als deren Wegbereiter gelten Frank McCormick und J. W. Hinkle. Sie eröffnen 1914 in der Autostadt Detroit ihre erste Waschstraße. Das Prinzip schauen sie sich von den Fließbändern der Automobilindustrie ab: eine klare Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Stationen entlang einer Produktionslinie. Umgesetzt wird das System allerdings noch nicht mechanisch. Stattdessen schieben zunächst Mitarbeiter die Fahrzeuge durch die Anlage, wo die einzelnen Arbeitsschritte ebenfalls manuell ausgeführt werden.

Automatisierung: Heute haben sich längst maschinelle Waschanlagen durchgesetzt. 1962 melden die deutschen Erfinder Johann Sulzberger und Gebhard Weigele eine solche „selbsttätige Waschanlage für Kraftfahrzeuge“ zum Patent an. Dabei kreist die Reinigungstechnik mit zwei rotierenden Bürsten auf Schienen um das Auto. Ähnliche Reinigungseinheiten gibt es in modernen Waschanlagen noch immer. Allerdings sind sie nicht mehr mit Borsten besetzt, sondern arbeiten lackschonender mit Textil- oder Schaumstoffstreifen.

Mercedes-Benz Niederlassung Zürich. Wagenwaschraum für Personenwagen mit Hebebühne. Foto aus dem Jahr 1940 mit einer Limousine der Baureihe W 21. (Fotosignatur der Mercedes-Benz Archive: 1990M2824)

Portal oder Straße: Es gibt zwei Strategien für die automatische Autowäsche: Entweder steht der Wagen in einer Portalanlage auf der Stelle, während Bürsten und Düsen darüber hinwegziehen, oder er wird mechanisch durch eine Waschstraße gezogen. Bei dieser Fahrt durch die Waschanlage sitzt man im Fahrzeug und kann den Vorgang durch die Scheiben erleben. Noch komfortabler wird das zum Beispiel durch die Mercedes-Benz Waschstraßenfunktion, wie es sie im GLS und GLA gibt. Mit nur einem Befehl werden die Außenspiegel eingeklappt, Seitenscheiben und Schiebedach geschlossen, der Regensensor ausgeschaltet und die Klimaanlage auf Umluftbetrieb gestellt. Beim Ausfahren aus der Waschanlage setzt die Automatik alle Einstellungen wieder zurück, sobald das Fahrzeug auf mehr als 20 km/h beschleunigt.

Komplettprogramm: Zum Waschen kommen mit den Jahren immer mehr Arbeitsschritte, beispielsweise das Trocknen und vor allem das Konservieren. Heißwachs schützt unter anderem den schönen Autolack nach der Reinigung. Um die Umwelt muss man sich heutzutage selbst bei der Premiumpflege mit allen Extras keine Gedanken mehr machen. Denn die aktuelle Technik recycelt zum Großteil das verwendete Wasser und filtert kritische Stoffe wie etwa Öl heraus.

Do it yourself: Viele Autobesitzer waschen ihr Fahrzeug bis heute von Hand. Dabei gibt es einiges zu beachten. So ist die Autowäsche auf der Straße in den meisten deutschen Kommunen untersagt, warnt beispielsweise der ADAC. Und auf dem eigenen Grundstück darf nur mit klarem Wasser und Schwamm oder Bürste gereinigt werden – außerdem darf das entstehende Abwasser weder in die Kanalisation noch in Gewässer gelangen. Am besten wählt man für die gründliche Handwäsche deshalb spezielle Waschboxen, wie sie zum Beispiel an Tankstellen und Waschstraßen angeboten werden. Hier kann auch grober Schmutz mit dem Hochdruckreiniger entfernt und anschließend der Lack mit Autoshampoo gewaschen werden. Zudem bieten Handel und Werkstätten eine große Palette mit Pflegeprodukten.

Dienstleistung: Für Vertragswerkstätten gehört die Autowäsche zu den Dienstleistungen rund um Wartung und Reparatur. Historische Fotografien aus den Archiven von Mercedes-Benz Classic zeigen, wie sich die dafür installierte Technik in den Niederlassungen und Vertragswerkstätten der Marke über die Jahre kontinuierlich entwickelt hat.

Museum: Sauberkeit und Pflege spielen auch für die 160 Klassiker des Mercedes-Benz Museums eine wichtige Rolle. Sie werden täglich von Staub befreit. Dabei kommen weiche Tücher zum Einsatz – und Staubwedel wie einst der „plumeau spécial pour automobiles“ aus der Serie der „33 Extras“. Vor allem montags, wenn das Museum für Besucher geschlossen hat, ist Zeit für die aufwendigere Pflege und Politur. Bei den ältesten Fahrzeugen wird neben dem Lack auch das Messing auf Hochglanz gebracht.

Quelle: Mercedes-Benz Museum

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